Hamburg zeigt: Die Bauwende gelingt, wenn wir Innovationen konsequent in die Praxis bringen / Zweites Innovations-Forum zu Gast bei VELUX, unter der Schirmherrschaft von Dr. Peter Tschentscher

Die Technik für schnelleres, günstigeres und klimaneutrales Bauen und Sanieren ist längst da – sie kommt nur nicht schnell genug auf die Baustelle. Beim zweiten Innovations-Forum von Neues Bauen – 80 Sekunden und dem dena-Kompetenzzentrum Serielle Sanierung / Energiesprong DE präsentierten elf Unternehmen marktreife Lösungen, die das ändern sollen – am 18. Juni zu Gast bei VELUX in Hamburg, unter der Schirmherrschaft von Erstem Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher. Vor Entscheidern aus Bau- und Wohnungswirtschaft, Kommunen und Politik ging es nicht um Visionen, sondern um Umsetzung.

Die Bandbreite reichte vom Gebäudedruck über den industriellen Holzbau bis zu digitaler Planung und neuen Finanzierungsmodellen – elf Antworten aus unterschiedlichen Disziplinen auf die drei Fragen, an denen sich die Bauwende entscheidet: schneller, preiswerter, klimaneutral bauen und sanieren. Keine getrennten Ziele, sondern Bedingungen, die einander tragen: Tempo senkt Kosten, Standardisierung ermöglicht Klimaschutz im großen Maßstab.

Serielles Bauen und Sanieren als politischer Auftrag

Den hohen Stellenwert des Themas für Hamburg unterstrich Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg:

„Hamburg ist eine wachsende Stadt mit ambitionierten Klimaschutz-Zielen. Schnelles, bezahlbares und klimaschonendes Bauen hat für uns eine hohe Priorität. Gemeinsam mit der Bau- und Immobilienwirtschaft haben wir den ‚Hamburg-Standard‘ entwickelt: Kostenbewusstes Planen und Bauen können die Baukosten deutlich senken. Das ist wichtig für gutes Wohnen und bezahlbare Mieten. Mit einer novellierten Bauordnung und digitalisierten Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen und vereinfachen wir die Prozesse in Neubau und Sanierung. Ich freue mich, dass sich die Bau- und Immobilienwirtschaft mit innovativen Lösungen daran beteiligt, unsere Ziele im Wohnungsbau und im Klimaschutz zu erreichen.“

Der Beweis: elf marktreife Antworten auf drei Fragen

Elf vom unabhängigen Beirat nominierte Lösungen traten in drei Blöcken an, je fünf Minuten Pitch. Über die Sieger entschied das Publikum per Live-Abstimmung.

Schneller bauen. Den ersten Block gewann Blome, das Bäder und Stränge seriell und im bewohnten Zustand saniert – ohne dass die Mietparteien ausziehen müssen. Durchsetzen musste sich das Verfahren gegen drei ebenso konsequent auf Tempo gebaute Ansätze: urban beta verkürzt die Bauzeit mit einem patentierten, modularen Holzhybrid-Bausystem aus serieller Vorfertigung; Wienerberger brachte den ersten mobilen Mauerwerksroboter Europas direkt auf die Baustelle; und FlyNex komprimierte die Bestandsaufnahme auf einen einzigen, KI-gestützten Drohnenflug.

Preiswerter bauen. Wo sich am meisten sparen lässt, beantwortete das Publikum mit Elements Immobilien: Das Unternehmen holt den Wert aus dem Bestand und baut Dachgeschosse energetisch aus, nachhaltig und wertsteigernd zugleich. Zwei weitere Beiträge setzten früher in der Kette an – RoofUz und DEPACT führen Gebäude und passende Partner zusammen, von der Sanierung bis zur Dachaufstockung, und Plan4 Software ersetzt Klemmbrett und Papier durch eine durchgehend digitale Gebäudeaufnahme.

Klimaneutral bauen und sanieren. Im Klimablock teilte sich das Feld in Material, Energie und Daten. Beim Material zeigte Rheinzink ein Klick-Leistensystem für Dach und Fassade, das aufgeklickt statt verlötet wird und sich vollständig zurückbauen und recyceln lässt; Superwood ergänzte besonders langlebige Holzfassaden. Bei der Energie machte SmaWo jede Wohnung autark – mit eigener PV-Anlage samt Speicher und ohne die Hürden klassischer Mieterstrommodelle. Bei den Daten schließlich bildete LeafTech ganze Quartiere als digitale 3D-Zwillinge ab, um ihre Dekarbonisierung planbar zu machen. Das Votum des Publikums ging an SmaWo.

Zwei Wildcards weiteten das Spektrum: BIMETO erzeugt aus Laserscans digitale Gebäudezwillinge für die schnelle Sanierung großer Portfolios; Protektorwerk Florenz Maisch macht serielles Bauen und Sanieren mit standardisierten Verbindungen erst skalierbar.

Der eigentliche Wert entstand dabei nicht auf der Bühne, sondern danach: Im Matchmaking trafen Wohnungsunternehmen und Projektentwickler auf die Anbieter und verständigten sich über erste Kooperationen – was den Markt sonst Jahre kostet, geschah an einem Nachmittag. Dass daraus Gebautes wird, zeigte die Projektvorstellung von Franziska Lamping (Kathe Holzbau): serielle Ansätze im Holzbau, die unter realen Bedingungen wirtschaftlich wie ökologisch aufgehen.

Der Befund: Das Können ist da – jetzt geht es um Skalierung

Der Gebäudesektor verursacht rund ein Drittel der deutschen CO2-Emissionen – und verändert sich zugleich langsamer als jeder andere. Dass es anders ginge, zeigt ausgerechnet der Gastgeberort: Die Speicherstadt entstand ab 1883 als zusammenhängendes Ensemble nach einheitlichem Plan – standardisiert, wiederholbar, im großen Maßstab. Was Hamburg damals im Neubau gelang, ist heute die schwierigere Aufgabe: dieselbe Konsequenz in das Bauen und Sanieren von heute zu übersetzen. Serielles Sanieren sei „keine Frage des Ob mehr, sondern des Wie schnell“, bringt es Nico Gorsler vom dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren / Energiesprong DE auf den Punkt. „Die Technologien sind erprobt und können bereits jetzt einen wichtigen Beitrag leisten, um Hamburgs Klimaziele zu erreichen“, so Gorsler weiter. Was jetzt zähle, sei die Prozessoptimierung durch standardisierte Schnittstellen und eine durchgehend digitale Planung.

Gemeinsame Verantwortung

Dass Innovation kein Selbstzweck ist, sondern entscheidend um die Herausforderungen der Branche zu bewältigen und die Bauwende voranzubringen, wurde im Verlauf des Tages deutlich. Gastgeberin Silke Stehr, Geschäftsführerin von VELUX Deutschland, betonte dabei vor allem die gemeinsame Verantwortung aller Akteure:

„Innovation bedeutet für uns auch Verantwortung, Lösungen und Ansätze zu entwickeln, die über das eigene Unternehmen hinaus Wirkung entfalten und die Branche insgesamt voranbringen. Die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen – mehr, schneller, kostengünstiger, nachhaltiger und gesünder bauen – lassen sich nur gemeinsam bewältigen.“

Und für die Initiative bringt Robert Kroth, Geschäftsführer von Neues Bauen – 80 Sekunden, den Anspruch des Formats auf den Punkt: Die Bauwende sei „kein technisches, sondern ein Übersetzungsproblem – zwischen dem, was möglich ist, und dem, was getan wird“. Genau das leiste das Forum, indem es erprobte Lösungen in die Hände derer überführe, die sie verbauen.

Die Offensive geht weiter

Das Innovations-Forum in Hamburg ist die zweite Station einer bundesweiten Innovations-Offensive von Neues Bauen – 80 Sekunden und dem dena-Kompetenzzentrum Serielle Sanierung / Energiesprong DE. Am 1. Juli folgt das Innovations-Forum Berlin / Brandenburg bei Schüco, drei weitere Stationen in Süddeutschland schließen sich in der zweiten Jahreshälfte an. Das Ziel bleibt über alle Standorte dasselbe: marktreife Bauwende-Innovationen schneller in konkrete Projekte bringen und die Transformation des Gebäudebestands messbar beschleunigen.

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Original-Content von: Neues Bauen – 80 Sekunden, übermittelt durch news aktuell

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