Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, die FENECON GmbH und der OpenEMS Association e. V. entwickeln gemeinsam eine Open-Source-Referenzimplementierung für Energiemanagementsysteme (EMS), die eine sichere und interoperable Kommunikation zwischen Messsystem, Steuerung und dezentralen Energieanlagen ermöglicht. Diese Lösung legt die Grundlage für sichere Stromnetze und den wirtschaftlich optimalen Betrieb von Erzeugern, Speichern und Stromverbrauchern. Die Integration einer am Fraunhofer ISE entwickelten Bibliothekfür Kommunikationsprotokolle in das quelloffene EnergiemanagementsystemOpenEMS soll die Digitalisierung des Energiesystems vorantreiben.
Iggensbach, 17. Juni 2026 — Der Umbau des Energiesystems hin zu 100 Prozent erneuerbaren Energien geht mit einem stark wachsenden Anteil dezentraler Energieressourcen – wie Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und Wärmepumpen – einher. Um Stromerzeugung und -verbrauch so abzustimmen, dass Stromnetze sicher betrieben und Anlagen wirtschaftlich optimal genutzt werden können, ist einesichere, resiliente und interoperable Kommunikationsinfrastrukturunabdingbar.
Mit dem intelligenten Messsystem iMSys und der FNN-Steuerbox steht bereits eine cybersichere Infrastruktur bereit, über die Steuerbefehle des Netzbetreibers an die Kundenanlage übertragen werden können. Für die Kommunikation zwischen Steuerbox und Energiemanagementsystem kommt das Kommunikationsprotokoll EEBus zum Einsatz. Dieses regelt die Vernetzung von energietechnischen Anlagen (Wallbox, Wärmepumpe, Stromspeicher, Wechselrichter, Energiemanagementsystem) im Gebäude. Besonders relevant sind dabei die Anwendungsfälle »Limitation of Power Consumption« (LPC, Limitierung des Stromverbrauchs eines Gebäudes oder einzelner Geräte) und »Limitation of Power Production« (LPP, Limitierung der Einspeiseleistung von eigenständigen Stromerzeugern). Diese werden bei Notfall-Steuereingriffen nach § 14a EnWG und § 9 EEG durch den Verteilnetzbetreiber angewandt.
Die praktische Umsetzung dieser Kommunikationskette stellt Hersteller und Entwickler von EMS-Lösungen jedoch vor erhebliche technische Hürden: die Komplexität des Kommunikationsstandards und der iMSys-Infrastruktur sowie fehlende Referenzimplementierungen erschweren die breite Markteinführung interoperabler Lösungen. Genau hier setzen die gemeinsamen Arbeiten vonFraunhofer ISE, FENECONund derOpenEMS Association e. V.an.
jEEBus trifft OpenEMS – eine offene Referenzplattform für die Energiewende
Das Fraunhofer ISE entwickelt seit Jahren die Open-Source-Bibliothek jEEBus für das Kommunikationsprotokoll EEBus. Die Kernkomponenten jEEBus.SHIP (Transport- und Kommunikationsschicht), jEEBus.SPINE (Daten- und Informationsschicht) sowie die Anwendungsfälle LPC und LPP stehen nun als Quellcode auf der öffentlichen Software-Entwicklungsplattform GitHub frei zur Verfügung.
»Wir wollen komplexe Kommunikationsstandards durch Open-Source-Lösungen einfach nutzbar machen und gemeinsam mit der Branche Lösungen entwickeln, die die Digitalisierung des Energiesystems vorantreiben«, erklärt ProjektleiterStefan Wursthorn vom Fraunhofer ISE.
Die OpenEMS Association stellt mitOpenEMSein bewährtes, quelloffenes Energiemanagementsystem bereit. Durch die Integration von jEEBus in OpenEMS entsteht eineOpen-Source-Referenzimplementierung, die als Plattform für EMS-Entwickler für die BSI-konforme Umsetzung von Steuersignalen dient. Alle OpenEMS-Anwendungen können also von dieser neuen Entwicklung profitieren. Die Open-Source-Lösung bietet wesentliche Vorteile: hohe Transparenz und Nachvollziehbarkeit, beschleunigte Innovationszyklen durch kollaborative Weiterentwicklung sowie eine breite Kompatibilität mit bestehenden und zukünftigen Systemen.
Der bayerische Stromspeicherhersteller FENECON wird sie zur Jahresmitte auf seine auf OpenEMS basierende Software FEMS ausrollen, also in sein Portfolio aufnehmen und allen Nutzern zur Verfügung stellen. »Gerade für Installateure bedeutet die Einführung der EEBus- Schnittstelle bei FENECON eine Reduzierung der Installationszeit, da keine separate Leitung mehr zum Zählerschrank gezogen werden muss«, so Alexander Stöger, Senior Produktmanager bei FENECON.
Die erfolgreiche Integration wurde in einem ersten Test im Digital Grid Lab des Fraunhofer ISE validiert: Mit der iMSys-Testumgebung wurde ein Steuerbefehl nach §14a EnWG erfolgreich über die gesamte iMSys-Kommunikationskette mit FNN-Steuerbox an ein auf OpenEMS basierendes Energiemanagementsystem übertragen und umgesetzt. Die abschließenden Tests sowie die Erarbeitung einer gemeinsamen Entwicklungs-Roadmap sind für den Sommer geplant. Im Mittelpunkt steht das Flexibilitätsmanagement, wobei das EMS eine Schlüsselrolle einnimmt: Als zentrales Steuerungselement ermöglicht es einen wirtschaftlich optimierten Anlagenbetrieb innerhalb der vom Netzbetreiber vorgegebenen Grenzen.
Über die Frauenhofer-Gesellschaft
Die Fraunhofer-Gesellschaft mit Sitz in Deutschland ist die weltweit führende Organisation für anwendungsorientierte Forschung. Mit ihrer Fokussierung auf zukunftsrelevante Schlüsseltechnologien sowie auf die Verwertung der Ergebnisse in Wirtschaft und Industrie spielt sie eine zentrale Rolle im Innovationsprozess. Als Wegweiser und Impulsgeber für innovative Entwicklungen und wissenschaftliche Exzellenz wirkt sie mit an der Gestaltung unserer Gesellschaft und unserer Zukunft. Die 1949 gegründete Organisation betreibt in Deutschland derzeit 75 Institute und Forschungseinrichtungen. Etwa 32 000 Mitarbeitende, überwiegend mit natur- oder ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung, erarbeiten das jährliche Forschungsvolumen von 3,6 Milliarden Euro. Davon fallen 3,1 Milliarden Euro auf den Bereich Vertragsforschung.
