Studie von BDO und NABU: Unternehmen unterschätzen ihre Abhängigkeit von Wasserverfügbarkeit

Die Analyse von 160 börsennotierten Unternehmen mit Standorten entlang von Flüssen in Deutschland zeigt: Viele Unternehmen unterschätzen ihre Abhängigkeit von diesen Flusssystemen. Ein Risiko, denn unbeachtete Wasserrisiken können zu Produktionsausfällen, steigenden Versicherungskosten und dauerhaften Wertverlusten von Standorten führen.

Die Ergebnisse der Studie:

– Rund 60 Prozent der untersuchten Unternehmen sind mit ihren Geschäftsmodellen in mittlerem bis hohem Maß auf die Ressource Wasser angewiesen.
– Trotz dieser Betroffenheit stuft jedes dritte Unternehmen das Thema Wasser derzeit nicht als wesentlich ein.
– Unternehmen berichten vorwiegend über ihren Einfluss auf die Umwelt, vernachlässigen jedoch, wie hydrologische Veränderungen direkt Umsatz, Logistik und Standortsicherheit bedrohen würden.

Die Studie „Unternehmen in Flussgebieten“ von BDO und NABU analysiert 160 börsennotierte Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX mit 15.000 Standorten in Deutschland. Sie zeigt: Ob zur Kühlung, als Prozesswasser oder für den Transport – der Wirtschaftsstandort Deutschland ist fundamental von Flusssystemen abhängig. Diese Bedeutung spiegelt sich jedoch noch nicht in Strategie und Nachhaltigkeitsberichterstattung vieler Firmen wider. 34 Prozent der stark betroffenen Unternehmen, die sowohl durch ihre Standortnähe als auch durch ihr Geschäftsmodell direkt von der Ressource Wasser abhängen, stufen das Thema Wasser derzeit nicht als wesentlich ein.

Diese Diskrepanz besteht selbst dort, wo betriebliche Prozesse stark wasserabhängig sind, etwa in der Chemieindustrie, Metallverarbeitung oder Konsumgüterproduktion. Die räumliche Visualisierung entlang großer Flusskorridore wie Rhein, Elbe und Donau zeigt, dass das Phänomen kein Einzelfall, sondern ein räumlich reproduzierbares Muster ist.

„Die Lücke zwischen potenzieller Betroffenheit von Wassermangel und entsprechendem Risikomanagement ist erheblich“, sagt Daniel Rieger, Fachbereichsleiter Transformation & Allianzen beim NABU. „Wenn Unternehmen die fortschreitenden Veränderungen im Landschaftswasserhaushalt ignorieren, drohen große Risiken für Standorte, Lieferketten und die langfristige Geschäftsfähigkeit. Investitionen in gesunde Flüsse und Schwammlandschaften hingegen können dazu beitragen, Wirtschaftsstandorte dauerhaft zu sichern.“

Unternehmen konzentrieren sich überwiegend auf die „Inside-Out-Perspektive“ – also auf ihren eigenen Verbrauch und Einfluss auf die Umwelt. Selten erfassen sie die finanziellen Folgen, die Wasserrisiken für ihren Geschäftserfolg bedeuten können („Outside-In“). Langfristige, systemische Gefährdungen wie sinkende Grundwasserspiegel oder abnehmende Wasserspeicherkapazität ganzer Flusssysteme werden in den Berichten praktisch nicht adressiert; lediglich ein Unternehmen hat solche systemischen Risiken explizit benannt. Diese Kurzsichtigkeit kann langfristige Konsequenzen für Standortresilienz und Vermögensbewertungen mit sich bringen.

„Unternehmen sollten Flüsse als integralen Bestandteil von Produktions- und Lieferketten verstehen. Erkennen Unternehmen diese Zusammenhänge, können sie Risiken besser identifizieren und gezielt in ihre Widerstandsfähigkeit investieren“, betont Carmen Auer, Partnerin Sustainability Services bei BDO.

Als Konsequenz empfiehlt die Studie einen Perspektivwechsel: Wasser sollte nicht nur als ökologisches Randthema, sondern als strategischer, finanziell relevanter Standortfaktor behandelt werden. Die Studienpartner appellieren, dass Unternehmen ihre Rolle neu definieren und sich vom reinen Wassernutzer zum strategischen Partner wandeln, der durch naturbasierte Lösungen die Stabilität seiner operativen Basis sichert. Technische Einzelmaßnahmen am Werkszaun reichen nicht aus, echte Resilienz erfordert naturbasierte Maßnahmen wie Auenrenaturierung oder die Wiederherstellung von Retentionsräumen.

Die vollständige Studie finden Sie hier (https://www.bdo.de/de-de/insights/nachhaltigkeit-esg/unternehmen-in-flussgebieten-wasser-als-standortrisiko).

Über BDO

BDO zählt mit über 3.250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 28 Standorten zu den führenden Gesellschaften für Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen, Steuerberatung und wirtschaftsrechtliche Beratung sowie Advisory Services in Deutschland. Die BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist Gründungsmitglied des internationalen BDO Netzwerks (1963), das mit knapp 94.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 169 Ländern vertreten ist.

Über den NABU (Naturschutzbund Deutschland):

Mit mehr als 980.000 Mitgliedern und Fördernden ist der 1899 gegründete NABU der älteste und mitgliederstärkste Umweltverband Deutschlands. Der NABU engagiert sich für den Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, den Klimaschutz sowie die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft. Der NABU begeistert für die Natur und fördert naturkundliche Kenntnisse für ein aktives Naturerleben. Mehr Infos: www.NABU.de/wir-ueber-uns

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