Rothirsch-Lebensräume vernetzen und biologische Vielfalt stärken / Deutsche Wildtier Stiftung fordert neue Trittstein-Vorkommen für das Tier des Jahres 2026

Das Tier des Jahres 2026, der Rothirsch, lebt auf etwa 25 Prozent der Fläche Deutschlands – Rehe und Wildschweine kommen dagegen auf fast der gesamten Bundesfläche vor. Die deutlich geringere Verbreitung des Rothirschs liegt dabei nicht an seinen speziellen Lebensraumbedürfnissen, sondern an Gesetzen und Verordnungen. Sie legen vor allem in den südlichen Bundesländern sogenannte Rotwildbezirke fest. „Reviere außerhalb der Rotwildbezirke sind rotwildfrei zu machen und zu halten“ heißt es zum Beispiel in der Ausführungsverordnung des Bayerischen Jagdgesetzes. In Bayern wird der Rothirsch auf 86 Prozent der Landesfläche nicht geduldet. Das Ergebnis dieser rückwärtsgewandten Politik hat jüngst auch eine Studie der TU München belegt, nach der die Rothirsch-Vorkommen im Landesinneren Bayerns bereits deutliche Anzeichen genetischer Verarmung und Inzucht zeigen.

Als Ergebnis ihres 12. Rotwildsymposiums, das Mitte Juni in Hamburg stattfand, fordert die Deutsche Wildtier Stiftung nun neue Trittstein-Vorkommen für den Rothirsch. „Neben Grünbrücken und Wanderkorridoren brauchen wir neue Vorkommen, um die bestehenden Rothirsch-Lebensräume besser miteinander zu vernetzen“, sagt Dr. Andreas Kinser, Leiter Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtier Stiftung. „Schon kleine Trittstein-Vorkommen – etwa auf Liegenschaften der öffentlichen Hand – könnten den genetischen Austausch zwischen den Teilpopulationen sichern und damit den langfristigen Bestand der Art in Deutschland stärken.“

Bei den Referentinnen und Referenten des 12. Rotwildsymposiums herrschte Einigkeit darüber, dass Rothirsche eine große Bedeutung für viele Prozesse des Ökosystems haben. Zum Beispiel verbreiten die Tiere Pflanzensamen über viele Kilometer und dienen selbst unzähligen anderen Tierarten als Nahrung – vom Aaskäfer bis zum Wolf. Doch statt die ökologischen Funktionen des Rothirschs anzuerkennen, sehen viele Landnutzer von Wald und Flur oft nur das Risiko von Wildschäden durch einen großen Pflanzenfresser. Deshalb ist die Verbreitung der Art in Deutschland so stark eingeschränkt, obwohl ausreichend potenzielle Lebensräume vorhanden wären. „Der Mensch muss nur zulassen, dass der Rothirsch sie wieder besiedeln darf,“ sagt Andreas Kinser.

Das 12. Rotwildsymposium fand vom 18. bis zum 20. Juni in der Hamburger HafenCity statt – ausgerichtet von der Deutschen Wildtier Stiftung in der Botschaft der Wildtiere. Zu Gast waren 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Justiz, Jagd und Großschutzgebieten. Den Abschluss des Symposiums bildete eine Exkursion in die Projektregion „MoorRotwildnis“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in der Eider-Treene-Sorge-Niederung.

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Jenifer Calvi
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