EEG 2027: ZVDH warnt vor Investitionsbremse bei Dach-Photovoltaik

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) bewertet die Ziele der EEG-Novelle 2027 grundsätzlich positiv: Der Ausbau erneuerbarer Energien soll planbarer, kosteneffizienter und netzverträglicher werden. Zugleich warnt der Verband davor, vor allem kleinere Photovoltaikanlagen auf Dächern durch abrupte Förderänderungen auszubremsen. Der ZVDH fordert zudem gezielte Speicheranreize und eine stärkere Förderung von PV-Solar-Gründächern.

Investitionsknick bei Dach-PV vermeiden

Nach dem Entwurf sollen neue kleine Photovoltaikanlagen stärker auf Eigenverbrauch, Direktvermarktung und Marktintegration ausgerichtet werden. Für Anlagen unter 25 kW wird vor allem der Wegfall der bisherigen Einspeisevergütung kritisch gesehen. Aus Sicht des ZVDH muss die Umstellung für private Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Handwerksbetriebe kalkulierbar bleiben – etwa durch Übergangszahlungen von mindestens 60 Monaten.

„Das Dach ist einer der wichtigsten Orte der Energiewende: Strom wird dort erzeugt, wo er gebraucht wird. Auf dem Dach kombinieren unsere Betriebe Klimaschutz, Sanierung und regionale Wertschöpfung“, sagt Ulrich Marx, ZVDH-Hauptgeschäftsführer. „Wer Dach-Photovoltaik jetzt ohne verlässliche Übergänge in ein neues Marktsystem führt, riskiert einen Investitionsknick. Das Ende der regulären Förderung bei gleichzeitiger Direktvermarktungspflicht überfordert private Bauherren, solange flächendeckende und wirtschaftlich belastbare Vermarktungsangebote fehlen.“ Der ZVDH fordert daher realistische Übergangsfristen, einfache Standardprozesse und einen verlässlichen Auffangmechanismus, wenn zumutbare Direktvermarktungsangebote fehlen.

Speicherförderung notwendig

Die vorgesehene Begrenzung der Einspeiseleistung auf 50 Prozent kann mit Speichern ein sinnvoller Anreiz sein. „Damit sie aber nicht zum Hemmnis wird, braucht es einen wirtschaftlichen Speicherhochlauf: Kostenbelastungen müssen abgebaut und Nachrüstspeicher gezielt gefördert werden,“ erklärt Marx und ergänzt: „Zudem sollte die Regelung dynamisch ausgestaltet werden, sodass netzdienlich steuerbare Anlagen bei Bedarf mehr als 50 Prozent einspeisen können.“ Die Dringlichkeit zeigt auch eine aktuelle Einschätzung des Fraunhofer ISE: Trotz wachsender Speicherkapazitäten bestehe weiterhin eine deutliche Speicherlücke, um Überschussstrom aus Zeiten hoher Erzeugung in verbrauchsstärkere Stunden zu verschieben und Preisspitzen im Strommarkt abzufedern.

Mieterstrom vereinfachen

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Mehrfamilienhäusern: Mieterstrom und gemeinschaftlicher Gebäudestrom müssen einfacher werden, damit große Dachflächenpotenziale genutzt werden können. Erforderlich sind standardisierte Messkonzepte, digitale Abrechnung und reduzierte Lieferantenpflichten. „Das Ziel muss sein, Solarstrom im Mehrfamilienhaus so unkompliziert zu gestalten wie Eigenverbrauch im selbstgenutzten Wohngebäude“, sagt Marx.

Förderung von Solar-Gründächern

Solar-Gründächer leisten zugleich einen Beitrag zur Klimaanpassung in Städten und dicht bebauten Räumen. Der ZVDH fordert daher, sie ausdrücklich in die Förderkulisse aufzunehmen und ihre Mehrfachleistung durch einen eigenen Bonus anzuerkennen. „PV-Solar-Gründächer verbinden Klimaschutz, Klimaanpassung und nachhaltige Stadtentwicklung: Sie erzeugen Strom, verbessern das Mikroklima, speichern Regenwasser und entlasten die Kanalisation. Diese Mehrfachwirkung verdient eine gezielte Förderung im EEG – analog zu Agri- und Moor-PV“, so Marx. Ihre stärkere Berücksichtigung wäre ein wirksamer Impuls für eine klimaresiliente und flächenschonende Energiewende.

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