Wärmeübergabe entscheidet über den Heizungstausch: Fraunhofer ISE erprobt Propan-Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser mit 23 bis 93 Kilowatt Heizlast

Der Austausch alter Heizungen in Mehrfamilienhäusern scheitert selten an der Wärmepumpe selbst. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat am 28. Juli 2026 Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zu Wärmepumpen mit dem Kältemittel Propan vorgestellt, an dem 20 Unternehmen aus Heizungsbranche und Wohnungswirtschaft beteiligt waren. Untersucht wurden Beispielgebäude mit Heizlasten zwischen 23 und 93 Kilowatt. Wer im Bestand an der Wärmeübergabe ansetzt, findet eine Anleitung zum Nachrüsten von Rücklaufventilen mit Hinweisen zum hydraulischen Abgleich.

Warum die Auslegung des Heizkreises den Ausschlag gibt

Eine Wärmepumpe arbeitet umso sparsamer, je niedriger die Vorlauftemperatur im Heizkreis liegt. Die veröffentlichten Leistungswerte des Fraunhofer-Instituts beziehen sich auf den Betriebspunkt B0/W55, also auf eine Soletemperatur von 0 Grad Celsius und einen Vorlauf von 55 Grad Celsius.

Bei 55 Grad gibt ein vorhandener Heizkörper weniger Leistung ab als bei den früher üblichen höheren Temperaturen. Ob ein Raum warm wird, hängt damit an der Fläche, die diese Wärme in den Raum bringt, und nicht allein am Erzeuger im Keller.

„Die Technik im Keller ist an dieser Stelle selten das Problem. Entschieden wird im Bestand an der Wärmeübergabe, also daran, ob die vorhandenen Flächen die Leistung bei niedrigem Vorlauf noch in den Raum bekommen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Was die Forschenden an drei Gerätekonzepten gemessen haben

Im Einzelnen entstanden im Projekt drei Bauformen für unterschiedliche Gebäudesituationen. Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts ergaben die Messungen und Prüfungen folgende Werte:

Zentrale Wärmepumpe zur Außenaufstellung: 20 Prozent weniger Kältemittelfüllung und 15 Prozent höhere Effizienz.

Innen aufgestellte Sole-Wasser-Wärmepumpe: 28 Kilowatt Heizleistung im Betriebspunkt B0/W55.

Dezentrales Gerät für einzelne Wohnungen: 4,9 Kilowatt Heizleistung mit 150 Gramm Propanfüllung.

Sicherheitsuntersuchung: über 100 Ausströmversuche an fünf verschiedenen Sicherheitskonzepten.

Für Wohnungen, die ohnehin renoviert werden, lohnt der Blick auf den einzelnen Raum. Ein Ratgeber zur Heizungseffizienz bei Wohnungssanierungen sammelt dazu Rechenbeispiele zum Energieverbrauch und zur Auslegung im Bestand.

Wie unterschiedlich die untersuchten Gebäude gebaut sind

Die Beispielgebäude unterschieden sich nicht nur in der Heizlast. Einige verfügten über einzelne Gasetagenheizungen, andere über eine Zentralheizung im Keller, dazu kamen unterschiedliche Platzverhältnisse und Anforderungen an den Schallschutz.

Laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme gibt es deshalb nicht die eine technische Lösung, sondern mehrere, die je nach Gebäude zum Einsatz kommen. Für die Praxis heißt das: Der Heizungstausch beginnt mit einer Bestandsaufnahme und nicht mit der Gerätewahl.

Was Eigentümer zum Beginn der Heizperiode prüfen können

Vor dem Beginn der Heizperiode lässt sich die Wärmeübergabe ohne großen Aufwand beurteilen. Räume, die trotz voll geöffnetem Ventil kühl bleiben, und Heizkörper, die im unteren Drittel kalt bleiben, deuten auf eine ungleiche Verteilung im Heizkreis hin.

Im September 2026 ist dafür noch Zeit, bevor die Anlage dauerhaft läuft. Wer die Verteilung vorher in Ordnung bringt, senkt die nötige Vorlauftemperatur und schafft damit die Voraussetzung, die das Fraunhofer-Institut für den späteren Umstieg beschreibt.

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