Die globale Konjunktur gerät zunehmend unter Druck: Obwohl der seit Ende Februar eskalierende Nahostkonflikt im ersten Quartal 2026 kaum Auswirkungen auf die Insolvenzentwicklung hatte, ist die Zahl der Firmenpleiten weltweit bereits um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Spannungen und steigender Kosten hat der internationale Kreditversicherer Coface seine Prognose deutlich nach oben korrigiert: Für das Gesamtjahr 2026 wird nun ein Anstieg der globalen Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent erwartet – mehr als doppelt so viel wie zu Jahresbeginn prognostiziert. Für Deutschland rechnet Coface mit einem Plus von 5 Prozent.
Das konjunkturelle Umfeld hat sich in den vergangenen Monaten spürbar abgeschwächt, da sich die Folgen der jüngsten geopolitischen Spannungen immer stärker in der realen Wirtschaft bemerkbar machen. „Der Anstieg der weltweiten Insolvenzen um 12 Prozent zu Beginn des Jahres, darunter ein Plus von 22 Prozent in Nordamerika, verdeutlicht das Ausmaß des aktuellen Schocks“, sagt Markus Kuger, Volkswirt bei Coface. Steigende Beschaffungskosten, volatile Energiepreise und wachsende Unsicherheit setzen Unternehmen spürbar unter Druck und dämpfen Investitionsentscheidungen.
Prognose für 2026 deutlich nach oben korrigiert
Vor diesem Hintergrund passt Coface seine Insolvenzprognose für 2026 spürbar nach oben an. Weltweit wird nun ein Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um rund 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet – mehr als doppelt so viel wie die im Januar prognostizierten 2,8 Prozent. Für Deutschland rechnet Coface mit einem Anstieg um rund 5 Prozent. „Schwächeres Wirtschaftswachstum, höhere Leitzinsen, strengere Kreditvergaberegeln, gestiegene Energiekosten und ein hohes Maß an politischer Unsicherheit wirken sich in Deutschland zunehmend negativ auf Insolvenzrisiken aus“, sagt Markus Kuger. Kräftige Zuwächse werden zudem in den USA (+8 Prozent), Frankreich (+8 Prozent) und Japan (+7 Prozent) erwartet. In den Niederlanden dürfte die Zahl der Insolvenzen ebenfalls um rund 5 Prozent steigen. Moderater fällt der Anstieg in Spanien, Italien und dem Vereinigten Königreich aus, wo Zuwächse zwischen 2 und 3 Prozent erwartet werden.
Hohe Zinsen verschärfen ohnehin angespannte Lage
Die Finanzierungsbedingungen bleiben ein zentraler Belastungsfaktor. Zwar hatte sich das globale Zinsniveau zuletzt schrittweise verringert, bleibt nach den deutlichen Anstiegen in den Jahren 2022 und 2023 jedoch weiterhin hoch – und Kredite entsprechend teuer. Die aktuelle Situation trifft Unternehmen in einer Phase, in der viele mit historisch hoher Verschuldung konfrontiert sind. Entsprechend sensibel reagieren sie auf zusätzliche Belastungen wie die jüngste Zinserhöhung der EZB – die erste seit fast drei Jahren. In diesem Umfeld bleiben die unternehmerischen Spielräume zur Refinanzierung begrenzt und damit auch die Fähigkeit, zusätzliche wirtschaftliche Schocks abzufedern.
Zyklische Branchen besonders unter Druck
Der Druck bleibt vor allem in konjunktursensiblen und stark finanzierungsabhängigen Branchen hoch. Besonders betroffen sind weiterhin Bau, Chemie und Textil, die aufgrund ihrer hohen Abhängigkeit von Produktionskosten und Nachfrage besonders anfällig sind. In mehreren großen Volkswirtschaften zeigen sich diese Belastungen bereits deutlich: In den USA leiden Industrie und Bau unter steigenden Finanzierungskosten und schwächerer Nachfrage. In Deutschland stehen insbesondere die Chemie- und die Bauindustrie aufgrund hoher Energiekosten und anhaltend schwacher Aktivität unter Druck. In Frankreich belasten hohe Zinsen den Bausektor, während die Industrie mit erhöhten Energiekosten kämpft und der Einzelhandel unter der schwachen Kaufkraft leidet. In Japan geraten vor allem hoch verschuldete Sektoren durch dauerhaft restriktivere Finanzierungsbedingungen unter Druck.
„Die Kombination aus hohen Kosten, sinkenden Margen und erschwertem Zugang zu Finanzierungen schränkt die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen zunehmend ein. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen, da sie häufig weniger diversifiziert und anfälliger für Liquiditätsschwankungen sind“, erklärt Markus Kuger.
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