Wenn die Blätter fallen: Wie sich Bäume auf den Winter vorbereiten

Wer in diesen Tagen durch die Wälder und Parks spaziert oder seinen Garten für den Winter vorbereitet, kann zuschauen, wie der Herbst Schritt für Schritt Einzug hält: Die Bäume verändern ihr Gesicht und bereiten sich auf die kalte Jahreszeit vor. Was bringt die Bäume dazu, ihre Blätter abzuwerfen? Und warum geschieht das bei einigen früher als bei anderen?

„Bäume reagieren auf Umweltveränderungen, die der Herbst mit sich bringt – etwa die abnehmende Tageslänge: Sie ist ein verlässliches Signal für den Wechsel der Jahreszeiten“, sagt Kathrin Mayer, Biologin bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Mit ihren lichtempfindlichen Zellen registrieren die Pflanzen, dass die Tage kürzer und die Nächte länger werden. Daneben spielen Temperatur und Wasserverfügbarkeit eine Rolle. Dabei reagiert jede Baumart unterschiedlich auf die Gegebenheiten. Verfärbung und Blätterfall beginnen darum nicht zur gleichen Zeit – und das sieht man: „Die Blätter der Eiche sind vielerorts noch sattgrün, die meisten Buchen leuchten schon goldgelb, und unter manchen Birken liegt bereits eine dünne Laubschicht“, sagt Mayer.

Bevor ein Blatt fällt, holt der Baum einen Teil der Nährstoffe – Magnesium, Kalium, Phosphor und viele mehr – aus ihm zurück. Er transportiert sie in andere Pflanzenteile wie Rinde, Knospen, Triebe, Stamm und Wurzeln. Dort speichert er sie bis zum Frühjahr. Das Chlorophyll, das den Blättern ihre grüne Farbe verleiht, wird abgebaut. Dadurch werden andere Farbstoffe sichtbar, die während des Sommers vom Grün überlagert waren. Carotine zum Beispiel sorgen für gelb-orange Farbtöne, durch Xanthophylle erscheinen Blätter gelb. Manche Baumarten bilden im Herbst zusätzlich Anthocyane, die Blätter rot bis violett färben. So entsteht das typische Farbenspiel des Herbstes.

Sobald der Baum die wertvollen Nährstoffe weitgehend zurückgewonnen hat, bereitet er das Blatt auf den endgültigen Abschied vor. An der Basis des Blattstiels befindet sich eine Trennzone. Im Herbst werden dort die Verbindungen zwischen den Zellen abgebaut, sodass sich das Blatt vom Zweig löst. Gleichzeitig beginnt der Baum, die Wundfläche mit einer schützendem Gewebeschicht abzudichten. Sie verhindert, dass das Pflanzeninnere austrocknet oder Krankheitserreger eindringen. Der Blätterfall bewahrt den Baum zudem in der kalten Jahreszeit vor zu großem Wasserverlust. Bei sehr niedrigen Temperaturen oder Frost im Boden können die Wurzeln nur noch wenig Wasser aufnehmen. Die Blätter würden aber weiterhin Feuchtigkeit an die Luft abgeben. Indem der Baum sie abwirft, verringert er seine Verdunstungsfläche und verbessert seine Wasserbilanz.

Auch andere winterliche Herausforderungen kann der Baum ohne Blätter besser meistern. Eine kahle Krone bietet dem Wind weniger Angriffsfläche, und auf den Ästen kann sich weniger schwerer, nasser Schnee sammeln. Ganz nebenbei wird der Baum auf diese Weise Blätter los, die zum Beispiel durch Pilzbefall geschädigt sind.

„Liegt im Garten das Laub auf dem Boden, muss nicht jede Fläche vollständig davon befreit werden“, sagt Mayer. „Auf Rasenflächen und Wegen oder dort, wo eine dichte Laubschicht Pflanzen beeinträchtigen könnte, sollten Gärtnerinnen und Gärtner die Blätter aufsammeln. Unter Sträuchern, Hecken und Bäumen, aber auch auf Beeten, können die Blätter einfach liegen bleiben.“ Dort schützt das Laub den Boden, bietet Bodenorganismen Lebensraum und wird im Lauf der Zeit zu wertvollem Humus – und es bietet ein perfektes Winterquartier für Wildtiere wie Igel und Amphibien, Insekten und Spinnen.

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Jenifer Calvi
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