Freiburg, 04. November 2026 – Wo ist das Interesse an Photovoltaik in Deutschland pro Kopf am größten – und warum entscheiden sich Hausbesitzer für die eigene Stromerzeugung? Eine umfangreiche Datenauswertung aus dem Jahr 2025 zeigt erhebliche Abweichungen zwischen den einzelnen Bundesländern. Die reine Bevölkerungszahl erklärt dabei nicht, warum in manchen Regionen besonders viele Anfragen eingehen. Welche Bundesländer bei der Pro-Kopf-Nachfrage überraschend führen und wie stark Wohneigentum, Gebäudestruktur und reine Wirtschaftlichkeit die Kaufentscheidung steuern, zeigt diese Analyse.
Nordrhein-Westfalen führt bei Zahl der PV-Anfragen
Gemessen an der Gesamtzahl der PV-Interessenten entfiel der größte Anteil auf Nordrhein-Westfalen. Rund 20,2 Prozent der Anfragen aus dem Jahr 2025 stammten aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Dahinter folgten Baden-Württemberg mit 14,4 Prozent, Bayern mit 12,9 Prozent und Niedersachsen mit 11,7 Prozent. Aus Hessen kamen 9,4 Prozent Neukundenanfragen.
Diese Verteilung spiegelt zunächst vor allem die Größe der jeweiligen Märkte wider. Für einen aussagekräftigeren Vergleich muss die Nachfrage ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt werden.
Schleswig-Holstein mit höchster PV-Nachfrage pro Einwohner
Betrachtet man die PV-Anfragen je 100.000 Einwohner, verändert sich das Bild deutlich. Schleswig-Holstein lag mit 163 Anfragen je 100.000 Einwohner an der Spitze. Es folgten Hessen mit 144 und Niedersachsen mit 142 Anfragen.
Der Blick auf die Zahlen überrascht: Mit 138 PV-Anfragen je 100.000 Einwohner liegt Brandenburg spürbar über dem bundesweiten Schnitt von etwa 120. Die Ergebnisse legen nahe, dass ökonomische Anreize ein starker Beschleuniger für die private Energiewende sind. Ob es letztlich die Absicherung gegen schwankende Strompreise oder das Streben nach maximaler Autarkie ist, das die Hausbesitzer bewegt, lässt sich aus der reinen Anfragedynamik zwar nicht ablesen – der Wille zu wirtschaftlicher Eigeninitiative ist jedoch klar messbar.
Der Stadtstaat Hamburg wies mit 130 Anfragen je 100.000 Einwohner eine relativ hohe Nachfrage auf. Baden-Württemberg und das Saarland lagen bei 124. Nordrhein-Westfalen kam auf 107 Anfragen je 100.000 Einwohner.
Niedriger fällt die Nachfrage in Bayern mit 94 und Sachsen mit 91 Anfragen je 100.000 Einwohner aus. Die Bundeshauptstadt Berlin bildet mit 58 Anfragen das Schlusslicht.
Die Bevölkerungszahl allein erklärt die regionale Nachfrage nach Photovoltaik nicht. Entscheidend ist offenbar auch, wie viele Haushalte überhaupt die Möglichkeit haben, eine eigene Solaranlage zu installieren und die dafür notwendige Investition zu tätigen.
Wohneigentum wichtiger Faktor
Als naheliegender Erklärungsansatz muss u. a. die Wohneigentumsquote in Betracht gezogen werden. Wer ein eigenes Haus besitzt, kann grundsätzlich selbst über die Installation einer Photovoltaikanlage entscheiden. Für Mieter ist diese Möglichkeit dagegen deutlich eingeschränkter.
Die Bundesländer weisen erhebliche Unterschiede auf. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Wohneigentumsquote 2022 beispielsweise in Rheinland-Pfalz bei 50,9 Prozent, in Niedersachsen bei 49,0 Prozent und in Baden-Württemberg bei 48,5 Prozent. Schleswig-Holstein kam auf 45,7 Prozent, Brandenburg auf 44,3 Prozent. In Berlin besaßen im Jahr 2022 lediglich 15,9 Prozent und in Hamburg 20,3 Prozent Wohneigentum.
Auch in der Auswertung der PV-Anfragen zeigt sich ein Zusammenhang: Zwischen der Wohneigentumsquote und den PV-Anfragen je 100.000 Einwohner besteht für die 16 Bundesländer eine Korrelation von rund 0,55. Unter den betrachteten Faktoren ist dies der stärkste Zusammenhang.
Ein Automatismus lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Das Saarland weist beispielsweise eine besonders hohe Wohneigentumsquote auf, liegt bei der PV-Nachfrage pro Einwohner aber nicht an der Spitze. Wohneigentum gilt daher eher als eine wichtige Voraussetzung denn als alleinige Erklärung.
Einkommen und Wirtschaftlichkeit beeinflussen Investitionsentscheidungen
Die wirtschaftliche Situation der Haushalte beeinflusst die Nachfrage nach Solaranlagen ebenfalls. Eine PV-Anlage ist zunächst eine Investition, die Haushalte mit größerem finanziellem Spielraum leichter realisieren können.
Beim verfügbaren Einkommen zeigt sich ein positiver Zusammenhang mit der PV-Nachfrage. Er fällt mit einer Korrelation von rund 0,33 allerdings schwächer aus als bei der Wohneigentumsquote.
Auch hier muss beachtet werden: Einkommen allein erklärt die regionalen Unterschiede nicht. Bayern liegt an der Spitze der verfügbaren Einkommen in Deutschland – bei den PV-Anfragen je Einwohner aber hinter mehreren anderen Bundesländern.
Für die Investitionsentscheidung dürften deshalb konkrete wirtschaftliche Faktoren entscheidend sein – etwa die Kosten der Anlage, der eigene Stromverbrauch, die mögliche Eigenverbrauchsquote, Strompreise, erwartete Stromproduktion und Förderbedingungen.
Gebäudestruktur bestimmt verfügbares Potenzial
Neben Eigentumsverhältnissen und Einkommen spielt die Gebäudestruktur eine zentrale Rolle. Für den privaten Photovoltaikmarkt sind insbesondere Ein- und Zweifamilienhäuser relevant. Hier entscheiden Eigentümer in der Regel selbst über die Nutzung geeigneter Dachflächen.
In Städten mit einem hohen Anteil an Mietwohnungen und Mehrfamilienhäusern ist das Potenzial hingegen eingeschränkter. Das kann einen Teil der Unterschiede zwischen Flächenländern und Stadtstaaten erklären.
Die regionale Nachfrage nach Photovoltaik dürfte somit aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren entstehen: Wohneigentum, Gebäudestruktur, finanzielle Möglichkeiten und die individuelle Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage.
Lässt sich die PV-Nachfrage politisch erklären?
Ob die Zusammensetzung einer Landesregierung oder unterschiedliche Einstellungen zum Klimaschutz die regionale Nachfrage nach Photovoltaik maßgeblich prägen, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Für private Haushalte stehen in der Praxis meist handfeste wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund.
Dass der Solarausbau eigenen Gesetzen folgt und sich nicht in einfache politische Kategorien einordnen lässt, zeigen auch die bundesweiten Zahlen: Von den im Jahr 2025 neu installierten 16,4 Gigawatt Solarleistung entfiel mit 4,5 Gigawatt der mit Abstand größte Anteil auf Bayern. Die Entscheidung für die eigene Stromerzeugung ist damit vor allem eine Frage von Rendite, Eigenheimdichte und Standortbedingungen.
2026 zeigt sich ein ähnliches Muster
Die Entwicklung im laufenden Jahr bestätigt bislang weitgehend das Bild aus 2025. Nordrhein-Westfalen bleibt bei der Zahl der PV-Anfragen vorn. Dahinter hat sich allerdings eine Verschiebung ergeben: Niedersachsen liegt inzwischen auf Platz zwei, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Die regionale Verteilung der Nachfrage erweist sich damit nicht als kurzfristige Momentaufnahme, sondern zeigt auch 2026 einen ähnlichen Trend.
Die Auswertung von rund 100.000 PV-Anfragen aus dem Jahr 2025 macht damit deutlich, dass das Interesse an Photovoltaik regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Während Nordrhein-Westfalen den größten Anteil an den gesamten Anfragen stellt, liegen bei der Nachfrage je Einwohner Schleswig-Holstein, Hessen und Niedersachsen vorn.
Wo besonders viele Menschen leben, ist also nicht automatisch auch das Interesse an Photovoltaik pro Einwohner am höchsten. Vielmehr dürften Wohneigentum, Gebäudestruktur, finanzielle Möglichkeiten und die individuelle Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage gemeinsam darüber entscheiden, wie groß die Nachfrage in einer Region ausfällt.
Hinweis zur Methodik: Für die Auswertung wurden rund 100.000 interne PV-Anfragen aus dem Jahr 2025 analysiert. Die Daten stammen aus der regulären Kundenqualifizierung und wurden aggregiert ausgewertet. Die Ergebnisse bilden die Nachfrage innerhalb der untersuchten Kundenanfragen ab. Eine uneingeschränkte Übertragbarkeit auf den gesamten deutschen Photovoltaikmarkt lässt sich daraus nicht ableiten.
Über WattFox: Vom grünen Start-up zum Marktführer. Smarte Entscheidungen im Bereich Home Energy – dafür steht WattFox seit 2011. Unsere Mission ist es, Menschen und Unternehmen rund um Haus und Energie bestmöglich zusammenzubringen. Endkunden unterstützen wir dabei, passende Lösungen und Angebote zu finden. Fachpartnern helfen wir, die richtigen Interessenten zu erreichen und effizient neue Kunden zu gewinnen. Mehrfache Testsiege und die Auszeichnung als Financial Times Growth Champion unterstreichen unseren Anspruch an Qualität und nachhaltiges Wachstum.
