Sie fliegen mit den Händen und sehen mit den Ohren: Fledermäuse sind faszinierende Tiere. Im Frühherbst lassen sie sich besonders gut beobachten. „Jetzt sind die Tiere besonders aktiv, weil sie auf der Suche nach einem Partner und geeigneten Winterquartieren sind“, sagt Julia-Marie Battermann, Artenschützerin bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Die Fledermausexpertin gibt Tipps, wie auch Laien die fliegenden Säugetiere beobachten können.
„Wer Fledermäuse sehen möchte, sollte natürlich zuerst einmal wissen, wo sie sich häufig aufhalten“, sagt Battermann. Dies sind vor allem Waldränder, Parkanlagen, Gewässer oder auch Dachböden. Ein Eldorado für Fledermausfans sind bekannte große Fledermaus-Quartiere wie etwa am Kalkberg in Lüneburg (Niedersachsen) oder der Kalkberghöhle in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein). „Ideal zur Beobachtung sind trockene, windstille Abende. Bei starkem Wind oder Regen sind die Flugakrobaten weniger aktiv“, sagt die Expertin. An Gewässern jagt die Wasserfledermaus oft dicht über der Oberfläche, während der Große Abendsegler hoch oben in der Luft auf Beute aus ist. In waldreichen Gebieten lässt sich die Fransenfledermaus beobachten, die ihre Beute geschickt direkt von Blättern und Ästen sammelt – häufig trifft man diese Art auch in Kuhställen an, wo sie vor allem Spinnen frisst. Auch Straßenlaternen können Hotspots sein: Ihr Licht lockt Insekten an, auf die kleinere Arten wie die Zwergfledermaus Jagd machen.
In der Morgendämmerung bietet sich ein weiteres Spektakel: Dann versammeln sich die Tiere zu Dutzenden um die Einflugspalten potenzieller Quartiere in Dachstühlen, Höhlen oder Fledermauskästen und kreisen in der Luft. „Bei diesem Schwärmen prüfen die erfahrenen Tiere, ob die Quartiere sicher sind, die jungen Tiere lernen dieses Verhalten von ihnen“, so Battermann. Sobald die Sonne aufgeht, sind alle Fledermäuse schlagartig in ihrem Unterschlupf verschwunden.
Um die Tiere in der Dunkelheit gut erkennen zu können, ohne sie zu stören, empfiehlt die Artenschützerin eine Kopf- oder Taschenlampe mit Rotlicht. Weißes Licht blendet die Tiere, die dann entweder starr vor Schreck verharren oder orientierungslos davonflattern. Und wer die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbaren Rufe der Tiere hören möchte, kann mit dem entsprechenden Equipment auch das: „Sogenannte Bat-Recorder wandeln die Ultraschallrufe der Fledermäuse in für uns hörbare Klicklaute um“, sagt Battermann. Mit einer entsprechenden App und einem Ultraschallmikrofon geht das sogar mit dem Handy.
Das Tier des Jahres 2027 wird ein Wesen der Nacht
Jedes Jahr stellt die Deutsche Wildtier Stiftung drei Säugetiere zur Wahl, in diesem Jahr sind es nachtaktiven Wildtiere: Fransenfledermaus, Zwergmaus und Waldiltis. Hier kann noch bis zum 2. Oktober abgestimmt werden: https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/artikel/deutsche-wildtier-stiftung-ruft-zur-wahl-zum-tier-des-jahres-2027-auf
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