Wasser ist eine kaum zu beherrschende Naturgewalt. Immer wieder haben Starkregen und Hochwasser dramatische Folgen für uns Menschen. Man denke an die Ahrtal-Katastrophe vor fünf Jahren. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hatte extremer Dauerregen die sonst friedliche Ahr in einen reißenden Strom verwandelt und ganze Ortschaften vernichtet. Über 180 Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen starben. Dass sich so etwas nicht wiederholen darf, darüber war man sich schnell einig. Aber wie sicher sind wir jetzt, fünf Jahre danach? Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat sich mal angeschaut, was sich in Deutschland seither in Sachen Hochwasserschutz getan hat. Zu welchen Ergebnissen er kommt, verrät uns jetzt meine Kollegin Helke Michael.
Sprecherin: Die verheerenden Überschwemmungen im Ahrtal hat zwar nicht der extreme Regen allein ausgelöst. Es war ein Zusammenspiel mit den landschaftlichen Besonderheiten, die man nicht überall findet. Trotzdem ist die Katastrophe durchaus eine Blaupause für viele Gebiete, das heißt:
O-Ton 1 (Sascha Maier, 15 Sek.): „Überall, wo wir Auwälder abholzen, wo wir Versickerungsflächen versiegeln, Flussläufe begradigen und mehr Nutzfläche für die Menschen geschaffen haben, da haben wir ein Problem, dass selbst kleinste Flüsse enorm anschwellen können und zu so einer Katastrophe führen.“
Sprecherin: So der BUND-Gewässer-Experte Sascha Maier. Tatsächlich hat sich auch einiges in Bezug auf den Hochwasserschutz getan. Höhere Deiche wurden gebaut, mehr Talsperren, Rückhaltebecken oder mobile Schutzwände. Viel weniger ist dagegen in Sachen Renaturierung von Flussgebieten passiert, obwohl es deutlich vorteilhafter wäre:
O-Ton 2 (Sascha Maier, 33 Sek.): „Wenn die Flüsse sich wieder langsam weiter schlängeln können, dann würde auch eine Hochwasserwelle sich verlangsamen und wenn die Ufer unbefestigt sind und das Wasser sich eben über die Ufer ausbreiten kann in Altarmen oder in Feuchtgebieten, in Auwäldern, dann kann es auch keinen Schaden anrichten. Und diese intakten Auen würden auch den Wasserhaushalt stabilisieren. Nebenbei werden auch noch Nährstoffe gefiltert und wir haben einen enormen Wert für die Artenvielfalt und intakte Auen speichern gleichzeitig auch noch enorm viel Kohlenstoff.“
Sprecherin: Wie gut dieser natürliche Hochwasserschutz funktioniert, hat die Lenzener Elbtalaue in Brandenburg gezeigt. Dort wurden sieben Kilometer Deich ins Land versetzt, der alte Deich aufgeschlitzt und eine Auenlandschaft angelegt. Beim Elbe-Hochwasser 2013 fiel die Hochwasserwelle im flussabwärts gelegenen Wittenberge deutlich niedriger aus als beim Hochwasser 2002. Deshalb muss die Priorität laut BUND auch genau hier liegen:
O-Ton 3 (Sascha Maier, 24 Sek.): „Den Flüssen muss mehr Raum gegeben werden. Dazu dürfen die Flächen nicht mehr weiter versiegelt werden. Sie müssen viel mehr entsiegelt werden und außerdem fordern wir von der Bundesregierung, dass die EU- Wiederherstellungsverordnung als Hebel genutzt wird: Die gesunden Wälder, Moore und Auen können das Wasser eben auch aufnehmen und speichern. Damit machen wir Deutschland eben auch widerstandsfähig gegenüber dem Klimawandel.“
Abmoderationsvorschlag: Es wird und wurde zwar schon einiges getan, damit Extremwetter uns nicht wieder in eine Katastrophe führt, wie wir sie vor fünf Jahren im Ahrtal erlebt haben. Aber eben nicht genug, um das Problem wirklich bei der Wurzel zu packen. Den ausführlichen Bericht dazu finden Sie auch noch mal im Netz. Auf B U N D punkt NET können Sie unter anderem auch nachlesen, wie gut Ihre Region aufgestellt ist.
Pressekontakt:
Sascha Maier, BUND-Gewässerexperte, Tel.: +49 30 27586-532, Mobil: +49 170 571 96 89, sascha.maier(at)bund.net
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