Eulen – faszinierende Geschöpfe der Nacht

Lautlose Flüge, schaurigen Rufe und faszinierenden Fähigkeiten – Eulen gelten als geheimnisvolle und unheimliche Wesen. Gerade jetzt zu Halloween hört man ihre nächtlichen Rufe. Dr. Manuela Merling de Chapa ist Greifvogel-Expertin bei der Deutschen Wildtier Stiftung und kennt zahlreiche faszinierende Eulen-Eigenschaften:

1. Viele Eulenarten nähern sich ihrer Beute nahezu geräuschlos.

Möglich macht dies das besondere Gefieder vieler Eulenarten: Kammartige Strukturen an den Flügelvorderkanten, samtige Federoberflächen und weiche Federkanten reduzieren die Fluggeräusche auf ein Minimum. Dieser nahezu stumme Flug erlaubt es den Vögeln nicht nur, sich unbemerkt anzunähern, sondern auch das zarteste Rascheln ihrer Beutetiere wahrzunehmen. Auf dem Speiseplan von Eulen stehen vor allem Mäuse, aber auch Vögel und Insekten.

2. Ihre Rufe dienen der Kommunikation unter Artgenossen.

Ab Ende Oktober und den ganzen November sind die Rufe der Waldkäuze besonders häufig zu hören. Damit markieren sie ihre Reviere und versuchen Partner anzulocken. Den typischen, langgezogenen Ruf, vorwiegend des männlichen Waldkauzes, mit seinem „Huu-hu-huhuhuhuu“ empfinden viele aus gruselig – passenderweise fällt der Höhepunkt in die Zeit um Halloween. Der „Ku-witt“-Ruf des weiblichen Waldkauzes ähnelt einem „Komm mit!“ und führte zu dem Aberglauben, er kündige einen nahenden Tod an. Auch mit Seuchen und Feuersbrünsten wurden Eulen in Verbindung gebracht und aus diesem Aberglauben lange verfolgt und getötet. Tatsächlich dienen die Rufe schlicht der Kommunikation unter Artgenossen.

3. Eulen sind Kopf-Akrobaten.

Eulen können ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen. Der Grund dafür sind ihre Augen, die fest in den Augenhöhlen verankert und daher kaum beweglich sind. Eine äußerst bewegliche Halswirbelsäule und flexible Blutgefäße gleichen diese Einschränkung perfekt aus. Durch diese Kopf-Akrobatik können die Tiere Gefahren wie auch Beutetiere blitzschnell wahrnehmen. Dass Eulen ihren Kopf komplett um 360 Grad drehen können, gehört jedoch ins Reich der Mythen.

4. Gewölle hinterlassen Spuren der Beute.

Kleinere Beutetiere wie Singvögel oder Feldmäuse werden von Eulen oft im Ganzen verschlungen. Unverdauliche Bestandteile wie Knochen, Schädel und Fell werden später als sogenannte Gewölle ausgewürgt. Für Wissenschaftler bieten sie wertvolle Einblicke in den Speiseplan der Eulen und die Artenvielfalt im jeweiligen Lebensraum.

5. Nicht jede Eule ist eine Nachteule.

Die meisten der zehn heimischen Eulenarten sind nacht- oder dämmerungsaktiv, aber keineswegs alle. Die in Deutschland seltene Sumpfohreule beispielsweise ist nicht nur in der Dämmerung, sondern regelmäßig auch tagsüber auf der Jagd zu beobachten. Dabei sucht sie im niedrigen Flug offene Landschaften wie Feuchtwiesen und Moore nach Beute ab. Auch der Sperlingskauz, Deutschlands kleinste heimische Eule, ist im Tageslicht aktiv.

Pressekontakt:

Jenifer Calvi
Pressereferentin
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