Jahrzehntelang gehörten Zehntausende rastende Kraniche zum Herbst im Rhinluch. Doch in diesem Jahr bietet sich ein erschreckend anderes Bild: Am 29. September 2026 wurden in Linum lediglich 10.270 Kraniche gezählt. Ein Jahr zuvor waren es zum vergleichbaren Zeitpunkt 56.630, im Jahr 2024 sogar 66.240.
Wo sind die Kraniche geblieben? Und was hat sich an einem der bedeutendsten Kranichrastplätze Europas verändert?
Diese Fragen stellt Guido Leutenegger, Gründer des Landwirtschafts- und Naturschutzunternehmens Natur Konkret, das seit zehn Jahren in Brandenburg tätig ist.
„Wir erleben hier eine Entwicklung, die uns grosse Sorgen bereitet. Die Kraniche gehören zu Linum wie die Teiche und die weite Landschaft. Wenn sie plötzlich in dieser Grössenordnung ausbleiben, dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, erklärt Leutenegger.
Fehlt den Kranichen die Nahrung?
Eine mögliche Erklärung sieht Natur Konkret in den Veränderungen der Landwirtschaft. Moderne Erntemaschinen arbeiten immer effizienter, abgeerntete Felder werden rascher bearbeitet oder begrünt. Damit könnten wichtige Nahrungsflächen für rastende Kraniche zunehmend verloren gehen.
Denn Kraniche brauchen nicht nur sichere Schlafplätze. Sie müssen während ihrer Rast ausreichend Nahrung finden, um Energiereserven für den Weiterflug aufzubauen.
Ob fehlende Stoppelfelder tatsächlich für den Rückgang verantwortlich sind, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Auch andere Ursachen müssen untersucht werden.
Petition mobilisiert Tausende Menschen
Am 3. Oktober startete Natur Konkret deshalb die Online-Petition „Ohne Nahrung keine Kraniche – rettet den Traditionsrastplatz Linum“.
Bereits innerhalb der ersten sechs Tage haben mehr als 2.700 Menschen unterschrieben.
Die Petition fordert das Land Brandenburg auf, gemeinsam mit Landwirtschaft, Naturschutz und Wissenschaft ein langfristiges Schutzprogramm für den Kranichrastplatz Linum zu entwickeln.
Im Mittelpunkt stehen die Sicherung geeigneter Nahrungsflächen, freiwillige Vereinbarungen mit Landwirten, faire Entschädigungen sowie eine wissenschaftliche Untersuchung des ungewöhnlichen Kranichrückgangs.
Landwirtschaft und Naturschutz gehören zusammen
„Wir wollen die Landwirtschaft nicht an den Pranger stellen. Im Gegenteil: Ohne die Landwirte wird es keine nachhaltige Lösung geben. Wer Flächen für die Kraniche bereitstellt, muss dafür angemessen entschädigt werden“, betont Leutenegger.
Natur Konkret bewirtschaftet selbst grosse Landwirtschaftsflächen in Brandenburg und verbindet die Produktion hochwertiger Lebensmittel mit aktivem Natur- und Artenschutz.
Ein Appell an Brandenburg
Der Kranich gilt seit Jahrhunderten als Vogel des Glücks. Seine eindrucksvollen Formationen und unverwechselbaren Rufe ziehen jeden Herbst Tausende Naturfreunde nach Linum.
Doch dieses Naturerlebnis ist keine Selbstverständlichkeit.
„Wir müssen jetzt herausfinden, weshalb die Kraniche ausbleiben. Und wir müssen handeln, bevor aus einem aussergewöhnlichen Herbst eine dauerhafte Entwicklung wird“, fordert Leutenegger.
Denn ohne Nahrung kein Rastplatz. Ohne Rastplatz keine Kraniche.
Petition unterstützen
„Ohne Nahrung keine Kraniche – rettet den Traditionsrastplatz Linum“
Hier geht es zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/ohne-nahrung-keine-kraniche-rettet-den-traditionsrastplatz-linum
