Es ist ruhig geworden in Gärten und Parks: Der Gesang von Amsel, Buchfink und Blaumeise ist verstummt, auch die sonst so lauten Spatzen tschilpen verhaltener – und zu Gesicht bekommt man die Vögel nur noch selten. Was ist da los? „Die Balzzeit ist lange vorbei, und auch die Aufzucht der Jungvögel ist abgeschlossen. Und da vor allem die Männchen singen, um ein Weibchen anzulocken, gibt es für sie jetzt keinen Grund mehr, laut zu sein“, sagt Lea-Carina Hinrichs, Artenschützerin bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Mitte August haben die Singvögel in der Regel ihre letzte Brut abgeschlossen.
Jetzt beginnt eine neue Phase im Singvogelleben: die Mauser. Einmal im Jahr spendiert Mutter Natur ein neues Federkleid. Da sich die Federn durch Wind, Wetter und Gebrauch im Jahresverlauf abnutzen, tauschen die Tiere sie von Kopf bis Schwanz komplett durch. Ein Spatz etwa trägt bis zu 3.500 Federn, die nach und nach ausfallen und durch neue Federn ersetzt werden. Erst nach zwei bis drei Monaten ist das frische Gefieder vollendet.
Dieser hormonell gesteuerte Neuaufbau benötigt viel Energie. In dieser Phase sehen die Vögel auch etwas zerzaust aus – und sie werden zu leichter Beute. „In der Mauser haben Fressfeinde leichtes Spiel, weil die Vögel nun schlechter fliegen können. Deshalb verhalten sie sich eher ruhig und suchen Schutz in Gebüschen und unter Hecken“, so Hinrichs. Hundehalter sollten in dieser Zeit ihre Tiere in der Nähe von Hecken, Gebüschen und Gärten anleinen, damit sie mausernde Vögel nicht aufscheuchen. Freigängerkatzen sollten wenigstens in den frühen Morgenstunden, wenn die Vögel am aktivsten sind, und bestenfalls während der gesamten Mauserzeit im Haus bleiben. Schließlich fallen in Deutschland jedes Jahr zig Millionen Vögel Hauskatzen zum Opfer.
Ein wildtierfreundlicher Garten hilft den Vögeln, gut durch die Mauser zu kommen. Heimische Gebüsche wie Weißdorn, Holunder und Schlehe, Reisighaufen und Ligusterhecken bieten ihnen Schutz vor Fressfeinden wie Raben- und Greifvögeln, Mardern und Katzen. In ungemähten Ecken finden sie Spinnentiere, Larven und Käfer sowie Samen von Gräsern als Nahrung. Der Verzicht auf Insektizide und Schneckenkorn sorgt dafür, dass das Futterangebot groß bleibt. Gartenbesitzer sollten auf starke Hecken- und Gehölzschnitte bis zum 30. September verzichten, damit die Rückzugsorte dicht bleiben. Garten- und Balkonbesitzer können an trockenen Tagen Wasserstellen anbieten.
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