Energietransformation wird sichtbar: Thyssengas führt aktuell für die Wasserstoff-Leitung Coesfeld-Rinkerode eine Dükerung des Dortmund-Ems-Kanals durch. Die Unterquerung ist ein wichtiger Schritt für den Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes im Münsterland. Am 16.07.2026 kamen Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammen, um die Baustelle von Thyssengas zu besichtigen. Vor Ort wurde deutlich: Der erfolgreiche Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Nur im engen Schulterschluss von Fernleitungsnetzbetreibern, Verteilnetzbetreibern, Industrie, Kommunen, Behörden und Politik kann die Energietransformation in den Regionen gelingen.
Auf der Baustelle in Münster-Amelsbüren informierten Fachleute über das Leitungsprojekt Coesfeld-Rinkerode und die nächsten Umsetzungsschritte. Bei einer anschließenden Baustellenbesichtigung erhielten Gäste aus Politik und Wirtschaft Einblicke in die technischen Anforderungen der Unterquerung des Dortmund-Ems-Kanals. Der Termin machte anschaulich, wie bestehende Infrastruktur für den Transport von Wasserstoff umgerüstet und damit die Grundlage für neue Anschlussmöglichkeiten in der Region geschaffen wird.
„Die Wasserstoff-Leitung Coesfeld-Rinkerode zeigt exemplarisch, wie wir bestehende Infrastruktur intelligent für eine klimaneutrale Energieversorgung nutzen können“, sagt Dr. Stefanie Kesting, CEO von Thyssengas. „Mit der Dükerung schließen wir eine wichtige Lücke im Leitungsverlauf und schaffen die Voraussetzung dafür, Wasserstoff vom Kernnetz in die Region zu bringen. Damit daraus verlässliche Versorgungsperspektiven entstehen, begleitet Thyssengas als Transformationspartner den Schulterschluss von Fernleitungsnetzbetreibern, regionalen Verteilnetzen, Industrie, Kommunen und Politik, die ihre Planungen für die Energiezukunft nun gemeinsam vorantreiben.“
Mit der Wasserstoff-Leitung Coesfeld-Rinkerode bindet Thyssengas das Münsterland und Westfalen an das entstehende deutschlandweite Wasserstoff-Kernnetz an. Dafür wird eine rund 45 Kilometer lange ehemalige Mineralölleitung für den Transport von Wasserstoff umgestellt. Die Leitung soll im Raum Coesfeld an die geplante Wasserstoff-Leitung Emsbüren-Dorsten und damit an die zentrale Nord-Süd-Transportverbindung angebunden werden. In Rinkerode ist perspektivisch der Anschluss an die geplante H2-Neubauleitung Rinkerode-Hamm (Uentrop) vorgesehen. Die Inbetriebnahme der H2-Leitung Coesfeld-Rinkerode ist für Ende 2027 geplant.
Neue Verbindung unter dem Dortmund-Ems-Kanal
Die Querung des Dortmund-Ems-Kanals ist ein zentraler Baustein der Leitungsumstellung. Im Zuge des Kanalausbaus war die ehemalige Mineralölleitung im Jahr 2009 an beiden Ufern getrennt und der unter dem Gewässer verlaufende Leitungsabschnitt entfernt worden. Für die Reaktivierung der Leitung stellt Thyssengas diese Verbindung nun wieder her. Das neue Leitungsstück wird im Horizontalspülbohrverfahren unter dem Kanal verlegt. Dafür wird zunächst eine gesteuerte Bohrung unter dem Kanalbett hindurchgeführt. Anschließend wird der Bohrkanal erweitert und das vorbereitete Leitungsstück eingezogen. So lässt sich der unterbrochene Leitungsverlauf wieder schließen, ohne den Schiffsverkehr zu beeinträchtigen.
Vom Kernnetz zu den Abnehmern in der Region
Das Wasserstoff-Kernnetz schafft die Grundlage für den überregionalen Transport. Damit Wasserstoff künftig auch kommunale, gewerbliche und industrielle Abnehmer erreicht, sind zusätzlich regionale Verteilnetze und konkrete Anschlussleitungen erforderlich.
Ein in die Leitung Coesfeld-Rinkerode integriertes T-Stück schafft die technische Voraussetzung für den regionalen Weitertransport von Wasserstoff. Über diese Abzweigung soll das Thyssengas-Fernleitungsnetz mit dem nachgelagerten Verteilnetz der Stadtnetze Münster verbunden werden. Die enge Abstimmung zwischen den Stadtnetzen Münster, der Klinkermanufaktur Janinhoff und Thyssengas verdeutlicht, wie Netzbetreiber und industrielle Abnehmer gemeinsam bereits in der frühen Planungsphase Anschluss- und Versorgungsperspektiven entwickeln können.
„Jede Wasserstoffinfrastruktur beginnt mit einem ersten Meter Leitung. Während das nationale Kernnetz sichtbar Fahrt aufnimmt, sind auf Verteilnetzebene jedoch noch viele rechtliche Fragen ungeklärt. Mit dem T-Stück gehen wir als Verteilnetzbetreiber daher in Vorleistung und schaffen die technische Voraussetzung für ein regionales Verteilnetz für Wasserstoff in Münster“, führt Alexandra Rösing, Geschäftsführerin des Verteilnetzbetreibers Stadtnetze Münster, aus.
Dr. Caroline Foyer-Clitheroe, Geschäftsleiterin Klinkermanufaktur Janinhoff, betont: „Wir sind schon aus Gründen der Vertragstreue, hinsichtlich des im Jahr 2024 abgeschlossenen Klimaschutzvertrages mit dem Bundeswirtschaftsministerium, auf die leitungsgebundene Wasserstoffversorgung spätestens ab Anfang 2030 angewiesen. Dies gelingt nur, wenn die dafür notwendige Anbindung zwischen dem Kernnetz und uns als Endverbraucher bis zu diesem Zeitpunkt realisiert werden kann. Das Grundproblem des geplanten Wasserstoffhochlaufs ist und bleibt die Anbindung potentieller Verbraucher über ein Verteilnetz. Wir setzen in diesem Zusammenhang auf die maßgebliche Unterstützung des lokalen Netzbetreibers und der politischen Entscheidungsträger.“
Mit der Wiederherstellung der Kanalquerung erreicht die Umstellung der Leitung Coesfeld-Rinkerode einen wichtigen Projektmeilenstein. Nach der geplanten Inbetriebnahme Ende 2027 soll die Leitung neue Wasserstoff-Versorgungsperspektiven für Kommunen, Mittelstand und Industrie im Münsterland und in Westfalen eröffnen.
Das Projekt Coesfeld-Rinkerode auf einen Blick
Projekttyp: Umstellung einer bestehenden Mineralölleitung auf Wasserstoff
Leitungsverlauf: von Coesfeld nach Rinkerode (bei Drensteinfurt)
Leitungslänge: rund 45 Kilometer
Leitungsdurchmesser: DN 200
Geplante Inbetriebnahme: Ende 2027
Aktuelle Phase: Planung, Bauvorbereitung und Umsetzung von punktuellen Baumaßnahmen
Kanalquerung: grabenlose Unterquerung des Dortmund-Ems-Kanals im Horizontalspülbohrverfahren (HDD)
Schutzstreifen: jeweils drei Meter beidseitig der Leitungsachse
Über Thyssengas
Die Thyssengas GmbH ist ein deutscher Fernleitungsnetzbetreiber. Hauptsitz des Unternehmens, das im Jahr 2021 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat, ist Dortmund. Thyssengas betreibt ein rund 4.400 Kilometer langes Gasnetz – zum Großteil in Nordrhein-Westfalen, einzelne Leitungen aber auch in Niedersachsen. Darüber werden sowohl nachgelagerte Verteilnetzbetreiber als auch Industriebetriebe und Kraftwerke versorgt. Für die klimaneutrale Zukunft setzt Thyssengas auf den gasförmigen Energieträger Wasserstoff. Der Dortmunder Netzbetreiber engagiert sich dazu in zahlreichen Initiativen. Gleichzeitig investiert er gezielt in die Umstellung seines Leitungssystems, um einen schnellen Wasserstoff-Hochlauf als Teil der Energiewende möglich zu machen. An acht Standorten im Netzgebiet beschäftigt das Unternehmen aktuell rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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