Pilotprojekt in Gießen: Regen- statt Trinkwasser für die Stadtbegrünung

Gießen. Die Bewässerung von Stadtbäumen, Grünanlagen und Blühflächen wird für Kommunen angesichts zunehmender Trockenperioden zu einer immer größeren Herausforderung. Gleichzeitig steigen die Kosten für Personal, Transport und Wasserbereitstellung. Mit einem Pilotprojekt setzt die Stadt Gießen nun auf eine innovative Lösung aus der Region: den Pluvara-Regensammler. Das System ermöglicht es, Regenwasser dezentral aufzufangen, zu speichern und direkt dort verfügbar zu machen, wo es für die Pflege von Grünflächen benötigt wird.

Bis zu 3.000 Liter Regenwasser pro Jahr pro Trichter

Der Pluvara-Regensammler wurde speziell dafür entwickelt, Regenwasser unabhängig von bestehender Infrastruktur zu sammeln und zu speichern. Das System wird auf handelsübliche IBC-Container montiert und kann auf einer Sammelfläche von 3,15 Quadratmetern jeden Niederschlag auffangen und in den darunterliegenden Behälter leiten. Ein Container fasst 1.000 Liter Wasser, mehrere Einheiten können modular miteinander verbunden werden.

Für Kommunen eröffnet dies neue Möglichkeiten im Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser. Während Regenwasser in niederschlagsreichen Phasen gesammelt wird, steht es in Trockenzeiten unmittelbar für die Bewässerung von Bäumen, Beeten und Grünflächen zur Verfügung. Bis zu 3.000 Liter Regenwasser kann so je nach Region im Jahr aufgefangen und gesammelt werden. Aufwendige Transportwege und der Einsatz von Trinkwasser können dadurch reduziert werden.

Gerade in Städten sind Pflanzen und Bäume unverzichtbar für das Stadtklima. Gleichzeitig verursacht ihre Bewässerung einen hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand. „Mit dem Pilotprojekt wollen wir prüfen, wie sich Regenwasser künftig noch gezielter und effizienter für die Pflege des Stadtgrüns nutzen lässt“, so Gießens Stadträtin Gerda Weigel Greilich dieser Tage im Rahmen der Präsentation des ersten Containers mit Pluvara-Trichter.

Besonders interessant ist dabei der dezentrale Ansatz. Die Regensammler können an strategisch wichtigen Standorten im Stadtgebiet aufgestellt werden und dort als lokale Wasserreserve dienen. Mitarbeitende des Bauhofs oder beauftragte Dienstleister können das gespeicherte Wasser direkt vor Ort nutzen. Lange Fahrten zu zentralen Wasserentnahmestellen entfallen, was Zeit, Kosten und Ressourcen spart.

Die Stadt Gießen gehört damit zu den ersten Kommunen, die das System im praktischen Einsatz testen. Ziel des Pilotprojekts ist es, Erkenntnisse über die Alltagstauglichkeit, die erzielbaren Wassermengen sowie mögliche Einsparungen bei Betriebskosten und Trinkwasserverbrauch zu gewinnen.

Kommunen sparen durch vollautomatische Unterflurbewässerung

Im konkreten Fall wurde der Pluvara-Trichter inklusive IBC-Container nahe einem neugepflanzten Apfelbaum positioniert und mit einer automatischen Unterflurbewässerung kombiniert, sodass der neu gepflanzte Apfelbaum über ein Schlauchsystem de facto automatisch mit der richtigen Menge Wasser versorgt wird. „Das ist besonders in den ersten fünf Jahren notwendig, bis der Baum sich selbst ausreichend versorgen kann. Im Normalfall müssten städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Trockenphasen bis zu zwei Mal in der Woche für die Wasserversorgung sorgen. Das geschieht nun quasi vollautomatisch. Das spart nicht nur wertvolles Trinkwasser sondern auch eine Menge Personalaufwand“, sagt Gartenamtsleiter Ludwig Wiemer. Pro Container können – je nach lokaler Situation – bis zu fünf neugepflanzte Bäume automatisch und autark mit Frischwasser versorgt werden.

„Mit Blick auf den fortschreitenden Klimawandel und die zunehmende Bedeutung klimaresilienter Städte könnte das Projekt auch über die Stadtgrenzen hinaus Signalwirkung entfalten und in weiteren Kommunen zum Einsatz kommen und damit einen Beitrag zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Stadtbegrünung leisten“, ist sich Pluvara-Geschäftsführer Lukas Duraj sicher.

Der Pluvara-Regensammler wurde von der in Mittelhessen ansässigen PLUVARA GmbH entwickelt. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, Regenwasser dort nutzbar zu machen, wo bislang keine entsprechende Infrastruktur vorhanden ist – einfach, autark und umweltfreundlich. Das Pilotprojekt in Gießen ist nun ein wichtiger Schritt, um die Potenziale dieser Technologie im kommunalen Alltag zu erproben.
www.pluvara.de

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