Paper Summit 2026: Papierindustrie kritisiert nicht wettbewerbsfähige Standortbedingungen

Verbandspräsident Gallenkamp: „Elementare Standortfaktoren wie Energiekosten, Steuern und Abgaben müssen sich an internationalen Wettbewerbsfaktoren orientieren“ / Aktuelle Mitgliederumfrage: Für 95 Prozent der Papierhersteller bleiben die Energiepreise die größte wirtschaftliche Herausforderung / BMUKN-Staatssekretärin Bettina Hagedorn: „Die Papierindustrie ist eine zentrale Grundstoffindustrie in Deutschland, deren Beitrag oft unterschätzt wird. Papier ist hoch systemrelevant.“

Der heutige Paper Summit der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie zeigte deutlich, dass Unternehmen mit industrieller Wertschöpfung hierzulande dringend wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen brauchen, damit der Standort wieder an Stärke gewinnt. „Elementare Standortfaktoren wie Energiekosten, Steuern und Abgaben müssen sich an den internationalen Wettbewerbsfaktoren orientieren. Ansonsten können wir in Deutschland nicht mehr konkurrenzfähig produzieren“, erklärte der Präsident des Verbandes DIE PAPIERINDUSTRIE und CEO des Spezialpapierherstellers Felix Schoeller, Hans-Christoph Gallenkamp, auf der Veranstaltung in Berlin vor rund 190 Führungskräften der Papierbranche und ihrer Marktpartner. „Gerade in der Sozialpolitik brauchen wir eine echte Trendwende. Es ist nicht ausreichend, das System nicht schlechter zu machen. Wir brauchen eine nachhaltige Finanzierung für Rente und soziale Leistungen, die ohne steigende Beiträge und Lohnnebenkosten auskommt und nicht zunehmend aus dem Gesamthaushalt finanziert wird“, führte Gallenkamp weiter aus.

Energiekosten sind laut Verbandsumfrage größte Herausforderung

Wie groß die Sorgen der Unternehmen in der Papierindustrie sind, bestätigt die aktuelle Verbandsumfrage. Für 95 Prozent der Papierhersteller sind die Energiekosten die größte wirtschaftliche Herausforderung. Auf Platz zwei sehen 84 Prozent der Unternehmen die Konjunkturentwicklung sowie die generelle Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Danach folgen für 71 Prozent die Regulierung bzw. Bürokratie und für 70 Prozent der Betriebe die Transformation zur Klimaneutralität.

Von der bisherigen Politik der Koalition ist die Papierindustrie überwiegend enttäuscht, wie die Umfrage weiter zeigt. „Wir als Verband haben das erste Jahr der neuen Bundesregierung im Vertrauen auf unser demokratisches Rechts- und Wertesystem voller Zuversicht und Bereitschaft zur verantwortungsvollen Kooperation begleitet. Doch mittlerweile haben auch wir angesichts der immer größer werdenden Herausforderungen und existenziellen Baustellen unsere Zweifel, mit welcher Unterstützung wir als Industrie von Seiten der Politik noch verbindlich rechnen können“, sagte Gallenkamp. Zudem werde die Branche in ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit auch durch geopolitische Handelshemmnisse und grundlegende Marktveränderungen massiv unter Druck gesetzt.

ETS-Reform für Dekarbonisierung und industrielle Wertschöpfung kontraproduktiv

Deutliche Kritik der Industrie kommt auch zu den Kommissionsvorschlägen zur ETS-Reform. „Wer die freie Zuteilung, also ein zentrales Schutzinstrument gegen die Verlagerung von Produktion und Emissionen in Länder ohne vergleichbares CO2-Preissystem, an unwirtschaftliche Zwangsinvestitionen koppelt, der beendet nicht nur den Carbon-Leakage-Schutz, sondern offenbart auch ein fundamentales Missverständnis wirtschaftlicher Realität“, so Gallenkamp. Die freie Zuteilung sei kein Geldtopf, aus dem sich Investitionen finanzieren lassen. Ihr Zweck sei, einen Teil der ETS-Kosten auszugleichen und so die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu erhalten. Wer dieselbe Entlastung gleichzeitig als Investitionsfinanzierung verplane, tue so, als ließe sich derselbe Euro zweimal ausgeben.

BMUKN-Staatssekretärin Bettina Hagedorn: „Papierindustrie ist eine zentrale Grundstoffindustrie“

Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, unterstrich in ihrer Keynote auf dem Paper Summit die Bedeutung der Papierindustrie für den Industriestandort Deutschland. „Die Papierindustrie ist eine zentrale Grundstoffindustrie in Deutschland, deren Beitrag oft unterschätzt wird. Papier ist hoch systemrelevant.“

Gleichzeitig verwies Hagedorn auf die zahlreichen Aufgaben der Politik: „Der Reformbedarf ist gewaltig und wir sehen und hören die Sorgen der Industrie. Unser Ziel ist es, unsere Klimaziele zu erreichen, die Transformation in Deutschland zu beschleunigen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.“ Die größte Herausforderung bestehe für die Regierungskoalition aktuell darin, die zahlreichen Reformvorhaben in Umsetzung zu bringen und zugleich einen verfassungskonformen Haushalt aufzustellen.

Trotz aller Problematik müsse es gelingen, industrielle Wertschöpfung am Standort Deutschland zu halten. „Niemand wolle, dass Industrie aus Deutschland abwandere“, so die Staatssekretärin. Deshalb sei sie auch optimistisch, dass wir in der Zukunft eine starke Papier- und Zellstoffindustrie in Deutschland haben werden.

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Marilena Hantke
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