St. Leon-Rot, 4. November 2026 – Soll eine Photovoltaikanlage noch bis zum Jahresende installiert werden, um sich die bisherigen Einspeisebedingungen zu sichern? Oder ist es wirtschaftlich sinnvoller, mit der Investition bis 2027 zu warten? Diese Frage beschäftigt derzeit viele Hausbesitzer.
Die aktuelle Marktanalyse von Solarfragen.de untersucht die Marktentwicklung anhand einer eigenen Datenbank mit über 1.500 realen, anonymisierten Angeboten für Photovoltaikanlagen. Berücksichtigt wurden Angebote bis einschließlich 31. Oktober 2026. Die Auswertung zeigt, wie sich Zubau und Angebotspreise im Vorfeld der geplanten EEG-Novelle entwickelt haben und was das für Hausbesitzer bedeutet.
Das Ergebnis ist differenziert:
* Die geplante EEG-Novelle verändert den Rahmen für neue Anlagen erheblich. Gleichzeitig zieht aktuell der Zubau von Photovoltaikanlagen an. Viele Kunden möchten sich noch die aktuelle Einspeisevergütung sichern.
* Die Preise für PV-Anlagen sind zuletzt gestiegen. Vor allem für Haushalte mit hoher Eigenverbrauchsquote kann es sich inzwischen lohnen, bis 2027 zu warten.
* Wenn die Planung bereits steht, ein geeigneter Installationsbetrieb gefunden ist, dieser die Inbetriebnahme bis zum 31.12. zusichert und keinen überhöhten Preis verlangt, ist es sinnvoll, sich für einen Bau noch 2026 zu entscheiden.
Der 31. Dezember wird zum Stichtag
Nach dem aktuellen Entwurf zur EEG-Novelle sollen Photovoltaikanlagen, die bis zum 31. Dezember 2026 in Betrieb genommen werden, weiterhin die bisherige feste Einspeisevergütung für 20 Jahre erhalten. Bei bereits beauftragten Anlagen ist es sinnvoll, die Inbetriebnahme bis zum 31. Dezember 2026 sicherzustellen.
Doch wie sieht es bei neuen Projekten aus, bei denen Planung, Angebotsvergleich und Beauftragung erst jetzt beginnen? Lohnt es sich, unter Zeitdruck noch 2026 zu planen, zu beauftragen und zu bauen – oder ist ein gut geplantes Projekt im kommenden Jahr die bessere Entscheidung?
Für neue Anlagen ab 2027 soll die bisherige feste Einspeisevergütung entfallen. Eine Vermarktung des überschüssigen Stroms bleibt aber möglich. Einnahmen und Vermarktungskosten sind allerdings schwerer planbar.
Aktuell vorgesehen ist zunächst eine Übergangszahlung von 5,2 Cent je Kilowattstunde für maximal 36 Monate. Anschließend sollen Anlagenbetreiber ihren überschüssigen Strom direkt vermarkten. Für Anlagen unter 25 kW ist dabei ein zeitlich begrenzter Bonus von 1,5 Cent je Kilowattstunde vorgesehen. Zusätzlich soll die Einspeisung neuer Dachanlagen dauerhaft auf 50 Prozent der Anlagenleistung begrenzt werden.
Die EEG-Novelle ist allerdings noch nicht in Kraft. Änderungen im weiteren Gesetzgebungsverfahren sind möglich.
Der Jahresendspurt läuft bereits
Die Marktdaten zeigen, dass der Jahresendspurt bereits begonnen hat. Von Juni bis Oktober 2026 wurden rund 19 Prozent mehr Photovoltaikleistung auf Gebäuden installiert als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Plus von rund 350 Megawatt. Im November und Dezember 2026 wird sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen.
Dabei war das Jahr zunächst schwach gestartet: Im Januar und Februar lag der Zubau noch rund ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. Erst ab Juni setzte sich der Anstieg deutlich durch. Die Entwicklung fällt zeitlich mit der zunehmenden Konkretisierung der EEG-Novelle zusammen. Sie dürfte die Nachfrage nach einer Inbetriebnahme noch 2026 beeinflusst haben. Auch die gestiegenen Energiepreise dürften die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen beeinflusst haben.
PV-Anlagen werden teurer – Batteriespeicher günstiger
Der Solarfragen.de PV-Preisindex liegt im Oktober 2026 bei 103 Punkten. Er bildet die langfristige Preisentwicklung auf Basis größenbereinigter Monatsmediane ab, die exponentiell geglättet werden. Startpunkt sind 100 Punkte im Dezember 2025. Der Index ist also im Jahresverlauf um rund drei Prozent gestiegen.
Batteriespeicher entwickeln sich gegenläufig: Ihr Preisindex liegt bei 92,5 Punkten und damit rund 7,5 Prozent unter dem Ausgangswert. Da die PV-Anlage den größeren Anteil an den Gesamtkosten ausmacht, steigen die Preise kompletter Anlagen dennoch.
Teure Angebote werden häufiger
Zusätzlich hat sich die Verteilung der Angebote verschoben: Besonders günstige Angebote werden seltener, während der Anteil teurer Angebote zugenommen hat.
Manche Installationsbetriebe sind für 2026 bereits voll ausgelastet. Für eine garantierte Inbetriebnahme noch 2026 verlangen manche Installationsbetriebe Aufpreise. Für eine Inbetriebnahme erst 2027 sind dagegen Rabatte möglich. Den Preismedian beeinflusst das nur leicht; wer nach Angeboten sucht kann das deutlich spüren.
Warum sich Warten für viele Hausbesitzer rechnen kann
Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage ist nicht allein die Einspeisevergütung. Der Eigenverbrauch und ein fairer Kaufpreis sind in vielen Fällen wichtiger. Je mehr Solarstrom im eigenen Haushalt verbraucht wird, desto stärker fällt die Ersparnis beim Strombezug ins Gewicht.
Eine Beispielrechnung für eine 10-kWp-Anlage zeigt, wie sich der Eigenverbrauch auswirkt. Angenommen werden ein Jahresertrag von 9.500 Kilowattstunden, ein Strompreis von 35 Cent je Kilowattstunde und eine Einspeisevergütung von 7,70 Cent bei Inbetriebnahme in 2026:
* Bei 30 Prozent Eigenverbrauch kommen rund 66 Prozent des jährlichen wirtschaftlichen Vorteils aus der Stromkostenersparnis und 34 Prozent aus der Einspeisevergütung.
* Bei 50 Prozent Eigenverbrauch sind es rund 82 Prozent aus der Stromkostenersparnis und 18 Prozent aus der Einspeisevergütung.
* Bei 70 Prozent Eigenverbrauch sind es rund 91 Prozent aus der Stromkostenersparnis und 9 Prozent aus der Einspeisevergütung.
Die Rechnung verdeutlicht:
Bei hohem Eigenverbrauch hängt die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage nur noch zu einem kleinen Teil von der Einspeisevergütung ab. Viel wichtiger sind ein fairer Anschaffungspreis und eine gut geplante Anlage.
Der Wegfall der bisherigen festen Vergütung bedeutet zudem nicht, dass eingespeister Strom ab 2027 keine Erträge bringt.
Lieber gut geplant als unter Zeitdruck gebaut
„_Wer einen hohen Eigenverbrauch hat, sollte sich nicht allein vom EEG-Stichtag unter Druck setzen lassen. Eine gut geplante Anlage zu einem fairen Preis und mit einem zuverlässigen Installateur ist langfristig wichtiger als eine frühe Inbetriebnahme um jeden Preis_“, sagt Dirk Rösch, Gründer von Solarfragen.de.
Eine Installation noch 2026 kann sinnvoll sein, wenn die Planung bereits steht, ein geeigneter Installationsbetrieb gefunden ist, die Inbetriebnahme bis zum 31. Dezember verbindlich zugesichert wird und kein überhöhter Preis verlangt wird.
Wer dagegen noch Angebote einholt, bei der Planung unter Zeitdruck gerät oder nur mit einem deutlichen Aufpreis und Kompromissen bei der Wahl des Installateurs rechtzeitig fertig werden könnte, sollte 2027 in Betracht ziehen.
Für 2027 ist eine vorübergehende Nachfragedelle denkbar: Vorgezogene Projekte fehlen dann, während Installationsbetriebe wieder mehr freie Montagekapazitäten haben. Das könnte den Wettbewerb verschärfen und die Chancen auf günstigere Angebote erhöhen. In welchem Umfang sich daraus tatsächlich günstigere Preise ergeben, bleibt abzuwarten.
Über die Marktanalyse
Die Marktanalyse „Die Auswirkungen der EEG-Novelle 2027 auf den Markt für Gebäudesolaranlagen“ untersucht die Entwicklung des PV-Zubaus und der Angebotspreise für private Photovoltaikanlagen mit 4 bis 30 kWp. Grundlage sind eine Auswertung des Marktstammdatenregisters sowie die Solarfragen.de Marktdatenbank mit über 1.500 realen, anonymisierten PV-Angeboten.
Die vollständige Marktanalyse mit Grafiken, Daten und methodischen Erläuterungen steht kostenlos zur Verfügung:
