Wege, Wissen, Werkzeuge für die Praxis: Unternehmensindividuelle Transformationspfade zur Kreislaufwirtschaft

Wie gelingt der Weg von der linearen zur zirkulären Wertschöpfung? Mit dieser Frage beschäftigte sich die diesjährige KARE Network Session am 29. September 2026 an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Netzwerkpartner kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungsansätze für die Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln. Das Kompetenzzentrum KARE unterstützt Unternehmen der Kunststoffindustrie dabei durch Qualifizierung, Wissenstransfer, Vernetzung und praxisnahe Werkzeuge für die Transformation.

KARE Network Session zeigt erfolgreiche Wege in die Circular Economy

Die Veranstaltung machte deutlich, dass es nicht den einen, richtigen Transformationspfad zur Kreislaufwirtschaft gibt. Vielmehr verfolgen Unternehmen unterschiedliche Ansätze, um Ressourcen zu schonen, Stoffkreisläufe zu schließen und nachhaltige Geschäftsmodelle zu etablieren.

Praxisbeispiele aus Unternehmen verdeutlichten die Bandbreite möglicher Transformationsansätze. So zeigte REHAU Window Solutions am Beispiel von Fensterprofilen, wie digitale Produktpässe Transparenz über den gesamten Lebenszyklus hinweg schaffen und damit zukünftige Stoffkreisläufe unterstützen können. Plastship verdeutlichte die Bedeutung standardisierter Material- und Prüfdaten, um den Einsatz von Rezyklaten in der Praxis zu vereinfachen.

Röchling Medical stellte die Entwicklung eines Trokars vor, bei dem Nachhaltigkeitsaspekte bereits frühzeitig in die Produktentwicklung integriert wurden. Ziel war es, Ressourcenverbrauch und Umweltwirkungen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg zu reduzieren. Maincor zeigte am Beispiel des Recyclings von Verbundrohren, wie auch ungewöhnliche Kooperationen neue Lösungswege für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft eröffnen können.

„Die vorgestellten Beispiele haben eindrucksvoll gezeigt, dass Kreislaufwirtschaft keine theoretische Vision mehr ist. Viele Unternehmen setzen bereits heute erfolgreich Maßnahmen um. Entscheidend ist dabei nicht, einem vorgegebenen Masterplan zu folgen, sondern den für das eigene Unternehmen passenden Weg zu finden und konsequent weiterzuentwickeln“, sagt Jonathan Lambers, Leiter der Forschungsgruppe „Transformation der Kunststoffindustrie“ am SKZ.

Transformation verläuft selten geradlinig

Die Vorträge machten zugleich deutlich, dass erfolgreiche Transformation selten geradlinig verläuft. Rückschläge, Anpassungen und neue Anläufe gehören dazu. Gleichzeitig zeigten die Praxisbeispiele, dass sich Beharrlichkeit lohnt und viele Lösungen bereits heute funktionieren. Die Veranstaltung machte damit Mut, eigene Ideen weiterzuverfolgen und neue Wege auszuprobieren.

Wissenstransfer und Vernetzung als Erfolgsfaktoren

Neben den Fachvorträgen bildeten interaktive Workshops einen wichtigen Bestandteil der Veranstaltung. Hier diskutierten Unternehmen, Wissenschaft und weitere Akteure konkrete Herausforderungen und Lösungsansätze aus der Praxis. Der intensive Austausch verdeutlichte einmal mehr den hohen Wert von Wissenstransfer und Vernetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Kreislaufwirtschaft.

Das Partnerprojekt KREIS ergänzte die Diskussion um eine arbeitspsychologische Perspektive und machte deutlich, dass erfolgreiche Transformation nicht nur Technologien und Kompetenzen, sondern auch Akzeptanz, Beteiligung und Veränderungsbereitschaft der Mitarbeitenden erfordert.

Praktische Werkzeuge für Unternehmen

Darüber hinaus konnten die Teilnehmenden den Circular Economy Gap Detector (CEGD) direkt vor Ort kennenlernen. Das Self-Assessment-Tool unterstützt Unternehmen dabei, ihren aktuellen Transformationsstand zu bewerten, Potenziale zu identifizieren und erste Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Vorgestellt wurde außerdem das neue Zero-Pellet-Loss Web-Based-Training (WBT), das Kunststoffverarbeiter und Recycler beim Aufbau von Wissen und Handlungskompetenzen zur Vermeidung von Granulatverlusten unterstützt.

KARE-Ideenwettbewerb zeichnet innovative Ansätze aus

Ein Höhepunkt zum Abschluss der Veranstaltung war die Preisverleihung des KARE-Ideenwettbewerbs. Dieser motiviert Mitarbeitende, eigene Ideen für mehr Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft einzubringen.

Der erste Platz ging an Röchling Medical für standardisierte Checklisten in Musterungsprozessen zur Wissenssicherung und Ressourceneffizienz. Ebenfalls ausgezeichnet wurden die Idee „Abfallvermeidung durch Sensibilisierung“ von Röchling Medical sowie „Recycling von Prüfteilen statt Entsorgung im Restmüll“ der Wirthwein-Gruppe.

Kreislaufwirtschaft beginnt mit dem ersten Schritt

Die KARE Network Session machte deutlich, dass die Transformation zur Kreislaufwirtschaft bereits in vollem Gange ist. Technologie, Kompetenzen und Zusammenarbeit sind dabei wichtige Erfolgsfaktoren. Vor allem aber zeigten die zahlreichen Praxisbeispiele, dass Unternehmen nicht auf die perfekte Lösung warten müssen, um erste Schritte zu gehen.

Oder wie es Prof. Dr. Müller-Steinfahrt von der THWS zum Abschluss der Veranstaltung treffend formulierte: „Einfach mal machen.“

Weitere Informationen zu KARE

Kostenlos verfügbar:

Circular Economy Gap Detector

Zero-Pellet-Loss WBT

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