Zum heute vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) veröffentlichten sogenannten „Faktencheck“ zum Thema zunehmend wegfallender Pflanzenschutz-Lösungen in der Landwirtschaft ordnet der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) ein:
Die Situation beim Pflanzenschutz im landwirtschaftlichen Anbau, insbesondere auch bei Sonderkulturen, erfordert eine sachgerechte Bewertung und einen klaren Blick auf die Realität. Eine Aufsummierung zugelassener Wirkstoffe ohne Differenzierung nach Wirkmechanismen und Wirkungsspektren führt zu irreführenden Schlussfolgerungen. Mehrere biologische Wirkstoffe zum Beispiel werden allein deshalb als „neu“ gezählt, weil unterschiedliche Stämme derselben Mikroorganismen genehmigt wurden – ohne dass dadurch zusätzliche Bekämpfungsmöglichkeiten entstehen. Grundstoffe wie Kuhmilch oder Knoblauchextrakt, die überwiegend im Ökolandbau oder im Hobbybereich eingesetzt werden, erhöhen die nominale Zahl der Wirkstoffe, ohne die Palette wirksamer Optionen zu erweitern. Der realistische Blick muss auf die praktische Wirksamkeit und die Bandbreite verfügbarer Wirkmechanismen für verschiedene Indikationen gerichtet werden – nicht auf die bloße Anzahl gelisteter Substanzen.
Seit 2019 sind 84 chemisch-synthetische Wirkstoffe weggefallen, während kein neuer Wirkstoff dieser Gruppe in der EU zugelassen wurde. Auch bei biologischen Wirkstoffen ergibt sich ein Nettoverlust von 5 Substanzen, insgesamt also ein Verlust von 89 Wirkstoffen. In Deutschland haben in den letzten zehn Jahren 61 chemische Pflanzenschutz-Wirkstoffe, welche in Produkten genutzt wurden, die Genehmigung verloren. Das entspricht einem Verlust von 32 Prozent der noch im Jahr 2015 192 in Deutschland genehmigten und verwendeten Wirkstoffe. Bei chemischen Insektiziden zur Spritzanwendung im Freiland beträgt der Rückgang im selben Zeitraum sogar 44 Prozent. Diese Entwicklung hat unmittelbare pflanzenbauliche und betriebswirtschaftliche Konsequenzen. In Kartoffeln stehen gegen Blattläuse als Virusvektoren nur noch drei Wirkmechanismen zur Verfügung. In vielen Kulturen ist gegen bedeutsame Schädlinge kein wirksames Insektizid mehr verfügbar. Produktionsrisiken steigen, Kulturen werden aus Fruchtfolgen gedrängt und die heimische Selbstversorgung bei wichtigen Kulturarten gerät unter Druck. Das bestätigt auch die EU-Kommission in ihrer Vision für Landwirtschaft und Ernährung aus dem Jahr 2025. (vgl. Quelle)
IVA-Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer: „Landwirte benötigen dringend ein breiteres, vielfältigeres und innovatives Instrumentarium für den integrierten Pflanzenschutz, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Nachhaltigkeit sowie Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Eine valide Bewertung verlangt mehr als das bloße Aufsummieren von Zulassungen: Wenn ein sogenannter ‚Faktencheck‘ bei den Zählweisen keine Unterschiede zwischen Wirkmechanismen macht oder mehrere Stämme desselben Wirkprinzips und Grundstoffe gleichwertig mitrechnet, entsteht ein verzerrtes Bild der Verfügbarkeit. Entscheidend bleibt, was in der Praxis wirksam verfügbar ist.“
Quelle: Mitteilung der EU-Kommission vom 19.02.2025 („Vision für Landwirtschaft und Ernährung“) EUR-Lex – 52025DC0075 – EN – EUR-Lex (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:52025DC0075)
Der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) vertritt die Interessen der Hersteller von Betriebsmitteln für einen nachhaltigen Pflanzenbau in Deutschland. Die 47 Mitgliedsunternehmen engagieren sich in den Bereichen Pflanzenschutz, Pflanzenernährung, Pflanzenzüchtung, Biostimulanzien und Schädlingsbekämpfung. Die vom IVA vertretene Branche bietet innovative Produkte für eine moderne Landwirtschaft, professionellen Gartenbau und verantwortungsvolle Privatanwendung.
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