Startseite » Sonstige, Stromtarife » Wachstumspotentiale im Energiemarkt – Interview mit Alexander Albert von HFO Energy GmbH

Wachstumspotentiale im Energiemarkt – Interview mit Alexander Albert von HFO Energy GmbH





Im Interview mit Alexander Albert, Geschäftsführer des unabhängigen Energievermittlers HFO Energy GmbH (Hof/Saale)

Seit der Liberalisierung des Energiemarktes, entstehen immer mehr neue Unternehmen, die sich mit dem Thema „Vermarktung von Energietarifen“ beschäftigen. Der deutsche Gas- und Strommarkt zeigt interessante Entwicklungspotentiale. Gerade Unternehmer aus anderen Branchen nehmen den Bereich Energievermarktung mit Ihr Portfolio auf. Welche Trends sich in diesem Wachstumsmarkt erkennen lassen und wie verschiedene Konzerne und Mittelständler darauf reagieren, haben wir zusammen mit Alexander Albert, Geschäftsführer der HFO Energy GmbH in diesem Interview zusammengefasst.

Energiemagazin: Herr Albert, in den letzten Monaten konnten wir bundesweit einen enormen Zuwachs an neuen Unternehmen aus dem Bereich der Energievermarktung feststellen. Wie können Sie sich das erklären?

A.Albert: In den ersten Jahren der Energiemarkt-Liberalisierung haben viele Bürger und Unternehmer wenig Interesse alternativen Stromanbietern gezeigt. Aufgrund einer regulatorischen Gegebenheiten, konnten auch schwierig neue Energieunternehmen entstehen.Sicherlich gab es populäre neue Marken wie z.B. Yello Strom aber die Möglichkeiten, dass man nun seine Gas- und Stromtarife günstiger beziehen kann, haben viele Bürger nicht erkannt. Ähnliches war bei den mittelständischen Unternehmen bundesweit zu bemerken. Liberalisierung wurde sozusagen noch nicht richtig realisiert. Dies hat sich vor allem in den letzten 12 Monaten massiv geändert. Es eröffnen immer mehr neue Energievermittler und generieren Monat für Monat ordentliche Kundenzuwächse. Die Wirtschaftskrise und die damit verbundenen Nebenwirkungen haben hier sicherlich die Nachfrage nach Kostenoptimierungen im Energiesektor bei Bürgern und Unternehmen erhöht.

Energiemagazin: Wie reagieren die jeweiligen Grundversorger, Stadtwerke über den steigenden Konkurrenzdruck?

A.Albert: Die ist regional verschieden. Wir haben ja bundesweit über 800 verschiedene Stadtwerke/Grundversorger. Diese starten verstärkt Kundenbindungsmaßnahmen, reagieren auf Konkurrenzangebote und verstärken Ihren Außendienst um die regionalen Großkunden intensiver zu betreuen. Dies wäre sicherlich vor einigen Jahren nicht denkbar gewesen. Allerdings gibt es durch die steigende Anzahl an neuen Energievermittlern immer wieder Unternehmen und Privatkunden die unschlagbar günstig Ihren Strom oder Ihr Gas alternativ beziehen können.

Energiemagazin: Mittlerweilen gibt es über 20 alternative Energieunternehmen bundesweit. Diese agieren am Markt teilweise sehr aggressiv. Wie sicher sind die neuen Energieunternehmen? Viele Bürger und Unternehmen haben aufgrund der Wirtschaftskrise Angst zu wechseln, weil Sie Angst haben ohne Strom/Gas dazustehen.

A.Albert: Im Vergleich zu anderen Branchen, ist ein Wechsel, sehr unkompliziert. Es gibt so gut wie keine Risiken für Verbraucher / Unternehmen. Aus diesem Grund starten immer mehr Vertriebe und Energievermittler mit der Vermarktung von Strom- und Gastarifen. Wenn Sie einem potentiellen Kunden erklären, dass er bei einem Wechsel immer „versorgt“ sein wird – weil dies gesetzlich geregelt ist – dann gehts nur noch um eine Entscheidung. Will ich als Kunde für gleichwertigen Strom/Gas einfach weniger bezahlen. Wie sich Verbraucher und Unternehmen meistens entscheiden kann man anhand der enormen Zuwachsraten bei den alternativen Energieunternehmen erahnen.

Energiemagazin: Die Wirtschaftskrise hat den Einzelhandel und auch verschiedene Vertriebsunternehmen stark getroffen. Gerade die Telekommunikationssektor z.B. bei Mobilfunk-Shops oder im Geschäftskundenvertrieb haben wir eine starke Konsolidierung registrieren können. Wie beurteilen Sie die Marktsituation?

A.Albert: Ich komme aus der Telekommunikationsbranche und auch unsere Muttergesellschaft die HFO Telecom AG ist eine klassische Telefongesellschaft. Die gewohnten Wachstumsraten sind im Telekommunikationsmarkt stark gesunken. Es gibt hohen Grad an Marktsättigung. Dies macht es vielen Mobilfunk-Einzelhändlern und unabhängigen Telefonkostenberatern schwer zu überleben. Wir bemerken, dass speziell im letzten Halbjahr der Händlerzuwachs enorm war. Vor allem genannte Mobilfunkhändler oder unabhängige Telefonkostenberater suchen neue Produkte um Ihre Kunden zu binden und um eine erfolgreichere Neukundenakquise durchzuführen. Wenn Sie heute versuchen bei einem Unternehmen einen Termin zu bekommen für eine Energieberatung, ist die Chance diesen zu bekommen rund 5mal höher als für eine Telefonkostenberatung. Dies beschreibt, denke ich, die Marktsituation am deutlichsten.

Energiemagazin: Welche Potentiale stecken im Energiemarkt in Deutschland nach Ihrer Einschätzung?

A.Albert: Verschiedene Umfragen und aktuelle statistischen Erhebungen zeigen, dass der Energiemarkt eine der Wachstumsbranchen in den kommenden Jahren sein wird. Wir haben bisher eine Marktdurchdringung von rund 32%. Das bedeutet rund 68% der Verbraucher und Unternehmen in Deutschland haben noch nie Ihren Energieanbieter gewechselt.Durch diese Tatsache entsteht eine Art Goldgräberstimmung bei verschiedenen Vertrieben in Deutschland. Aktuell kann man erkennen, dass branchenfremde Unternehmen Tochtergesellschaften für die Vermarktung von Gas- und Stromtarifen gründen. Hierdurch lässt sich eindeutig erkennen, welche Potentiale Vertriebsprofis in diesem Markt erkannt haben. Wir stehen hier aber erst am Anfang und im Vergleich zur Liberalisierung des Telefonmarktes, haben wir deutlich einfachere Prozesse und gleiche Produktqualitäten. Es entscheidet lediglich das Serviceangebot und der Verbrauchspreis.

Energiemagazin: Sie haben beschrieben, dass der Wechselprozess für Verbraucher im Gas- und Strommarkt unkompliziert ist. Wie genau müssen wir uns das vorstellen?

A.Albert: Wenn Verbraucher Ihren Strom- oder Gastarif wechseln möchten, nutzen diese einfach z.B. Online-Tarifrechner um zu vergleichen. Oftmals kann der Wechsel online abgeschlossen werden. Ebenfalls gibt es bereits zahlreiche Energieberater, die vorort alle notwendigen Details erklären. Nach Unterschrift bei dem neuen, günstigeren Anbieter, wird die Kündigung des Altvertrages und der Wechsel vollautomatisiert durchgeführt. Der Verbraucher merkt hiervon nichts. Er hat immer Strom- und Gasversorgung. Aber eben dann günstiger. Die meisten Verträgen laufen rund 12 Monate. Umsichtige Verbraucher wechseln jedes Jahr und können somit Ihre Energiekosten kontinuierlich senken.

Energiemagazin: Welche Risiken sehen Sie bei der aktuellen Entwicklung des Energiemarktes?

A.Albert: Die schlechteste Entwicklung wäre, wenn die Grundversorger über Zusatzdienstleistungen oder Quersubventionen die Marktliberalisierung eingrenzen. Wir erleben heute schon Grundversorger, die Fastfood-Ketten die Industriefriteusen sponsoren, in Verbindung mit einem längerfristigen Stromliefervertrag,. Dies sind Entwicklungen die wir in den vergangenen Jahren z.B. in der Telekommunikation feststellen konnten. Die Ziele einer Marktliberalisierung werden dann natürlich verfehlt. Allerdings stehen wir erst am Anfang, der deutsche Markt ist für viele europäische Stromlieferanten sehr interessant. Hier werden sich in den kommenden Monaten weitere neue Unternehmen gründen und um Marktanteile kämpfen.

Energiemagazin: Wir bedanken uns für dieses Interview und wünschen Ihnen ein guten Start ins Neue Jahr!

A.Albert: Vielen Dank, dass wünsche ich Ihnen und Ihren Lesern ebenfalls!

Kurz-URL: https://www.88energie.de/?p=150706

Erstellt von an 9. Jan 2010. geschrieben in Sonstige, Stromtarife. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

Ihre Meinung dazu

FaceBook

Archiv

© 2018 88energie. All Rights Reserved. Anmelden - Copyright by LayerMedia