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Spinnen: Husch, husch – raus aus dem Haus / Deutsche Wildtier Stiftung: Warum die Achtbeiner im Herbst gern in unsere Häuser krabbeln – und wie man sie unversehrt wieder hinausbefördert





Spinnen lösen bei vielen Menschen Angst und
Schrecken aus. Aber deshalb gleich die Chemiekeule oder den
Staubsauger rausholen? Bitte nicht! Spinnen haben viele positive
Eigenschaften und sind grandiose Schädlingsvertilger. Robert Klesser
(35), Forschungspreisträger der Deutschen Wildtier Stiftung und
Spinnenkundler, findet die achtbeinigen Tierchen gar nicht gruselig,
sondern extrem faszinierend! “Die meisten Spinnen sind sehr scheu.
Sie wollen mit Menschen nichts zu tun haben und flüchten sofort, wenn
wir ihnen zu nahe kommen”, sagt er. Von den über 1000 heimischen
Spinnenarten wird keine einzige einem gesunden Menschen gefährlich.
Aber: “Intensive Agrarwirtschaft, Urbanisierung, Trockenheit und
weniger Nahrung durch den Insektenschwund bedrohen auch die
Spinnenwelt”, sagt Klesser.

Jetzt wird es herbstlich: “Für Spinnen sind Häuser auf den ersten
Blick ideale Winterquartiere. Sie können nicht zwischen einem
Baumstamm und einem Dachstuhl oder einer Felswand und einer Hauswand
unterscheiden. Wichtig ist für sie erst einmal nur, dass es frostfrei
bleibt”, sagt Klesser. Mit diesen drei Arten müssen Sie jetzt rechnen
– und mit diesen drei Tricks befördern Sie die unbeliebten
Mitbewohner wieder lebendig und unversehrt ins Freie.

Die Große Hauswinkelspinne. Dunkelbraun und mit einer Größe von
bis zu zehn Zentimetern ist die Große Hauswinkelspinne (Eratigena
atrica) – und ihre Verwandten – nicht zu übersehen! Sie bezieht gern
Ecken und Nischen in Kellern und Bädern, denn sie liebt es feucht und
kühl. Dort baut sie trichterförmige Netze und erbeutet Kellerasseln,
Tausendfüßler, kleinere Spinnen, Fliegen, Mücken oder Wespen. Mit
einem Gartenbesen, in dessen Borsten sich die Spinne flüchten kann,
oder einem Spinnenfänger, werden Sie den Eindringling wieder los.
Damit können Sie das Tier behutsam nach draußen transportieren.

Die Große Zitterspinne kommt mit ihren dünnen Beinen und dem
durchscheinenden Körper filigran daher. Doch die Netze der
Zitterspinne (Pholcus phalangioides) sind großflächig angelegt. Ihren
Namen hat sie sich aufgrund ihres Überlebenstricks erworben: Naht ein
Feind, schwingt sie ihr Netz hin- und her und wird so für die Augen
des Angreifers schwer zu erfassen. Bei Menschen wirkt der
Spinnen-Wackeltrick natürlich nicht. Nehmen Sie ein großes Glas,
stülpen sie es über die Spinne und verschließen Sie das Glas mit
einem Pappdeckel. Dann können Sie das Tier draußen vor die Tür
setzen. Diese Spinne ist eigentlich eine Höhlenart aus den Subtropen
und fühlt sich deshalb in unseren Häusern pudelwohl. Zudem ist sie
spezialisiert darauf, auch andere, oft viel größere Spinnen zu
erbeuten. Sind Zitterspinnen im Haus, werden Winkelspinnen zur
Mahlzeit!

Radnetzspinnen wie die Spaltenkreuzspinne (Nuctenea umbratica)
oder die Sektorspinne (Zygiella x-notata) bauen mit Freude ihre Netze
an Lampen auf der Terrasse, am Hauseingang oder im Wintergarten und
verirren sich dabei auch ins Haus. Gleicht doch die nächtliche
Haus-Beleuchtung einer Waldlichtung im Mondschein, auf der sich
tausende von Insekten nach Einbruch der Dunkelheit tummeln! Hier
hilft: Licht ausschalten hält die Spinnen fern und schont den
Geldbeutel.

Von Omas alten Hausmitteln – Zitronen- oder Pfefferminzöl – hält
Robert Klesser übrigens wenig: “Das funktioniert meist nicht”, sagt
er. “Studien sagen, dass z.B. Kreuzspinnen furchtbar anspruchslos
sind, was Geruch und Geschmack angeht. In unseren Versuchsreihen
haben Kreuzspinnen sogar Beute genommen, die mit Essig und Bittersalz
versetzt war.”

Zur Person: Robert Klesser ist Forschungspreisträger der Deutschen
Wildtier Stiftung. Der junge Forscher untersucht das Verhalten von
kälteliebenden Spinnen in Blockhalden und wurde vor zwei Jahren von
der Deutschen Wildtier Stiftung ausgezeichnet. In diesem Jahr wird
der Preis im Dezember 2019 verliehen. Der mit bis zu 50 000 Euro
dotierte Preis fördert Wissenschaftler, die ein innovatives und
fachlich hervorragendes Forschungsprojekt mit unmittelbarem Bezug zu
einheimischen Wildtieren vorlegen.

Pressekontakt:
Jenifer Calvi, Pressereferentin Deutsche Wildtier Stiftung
Telefon: 040- 9707869-14
J.Calvi@DeWiSt.de, www.DeutscheWildtierStiftung.de

Original-Content von: Deutsche Wildtier Stiftung, übermittelt durch news aktuell

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Erstellt von an 10. Sep 2019. geschrieben in Umwelttechnologien. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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