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Patient Erde auf Intensivstation / Welterschöpfungstag am 02.August: Menschheit hat Ressourcen für 2017 aufgebraucht.





Ab Mittwoch hat die Menschheit alle natürlichen
Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres
regenerieren und damit nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Das
teilte die Naturschutzorganisation WWF in Berlin mit. Damit ist der
„Welterschöpfungstag“ (Englisch: Earth Overshoot Day), um sechs Tage
im Kalender nach vorne gerutscht. 2016 reichten die Ressourcen noch
bis zum 08. August. Für den Rest des Jahres lebt die Menschheit von
den stillen Reserven der Erde.

„Seit über dreißig Jahren nehmen wir der Erde mehr weg, als sie
uns bereitstellen kann. Diese dauerhafte Übernutzung hat unseren
Planeten auf die Intensivstation gebracht. Die Ökosysteme, die uns
mit Wasser, Nahrung oder Energie versorgen, kollabieren“, warnt
WWF-Vorstand Eberhard Brandes. „Wir müssen endlich einen Weg finden,
in den natürlichen Grenzen unseres Planeten zu leben und zu
wirtschaften. Das ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Wir
brauchen eine neue Definition von Wohlstand und Erfolg, die die
Gesundheit von Menschen, der Gesellschaft und der Umwelt einbezieht.“

Besonders problematisch erscheint in diesem Zusammenhang die
rückwärtsgewandte Politik einzelner Industriesparten: „Die deutsche
Autoindustrie arbeitet nicht konsequent auf eine nachhaltige
Mobilität hin. Zusätzlich stellt sie mit Absprachen und
Softwaremanipulationen den kurzfristigen Profit über die Gesundheit
von Mensch und Natur t. Sie setzt damit nicht nur Deutschlands
Zukunft als Automobilstandort aufs Spiel, sondern gefährdet auch die
Gesundheit der Erde und ihrer Bewohner.“

Die Auswirkungen des Raubbaus sind laut WWF bereits spürbar: Dürre
und extreme Wetterereignisse, Hungersnöte oder Artensterben nehmen
immer dramatischere Ausmaße an. Ganze Ökosystem wie Korallenriffe,
Regenwälder oder Flusssystem drohen zu verschwinden. Insgesamt sind
vier von neun ökologischen Belastungsgrenzen, die die Stabilität der
planetaren Lebensräume definieren, überschritten: beim Klimawandel,
dem Verlust der Biodiversität, der Landnutzung sowie den
biogeochemischen Kreisläufen von Stickstoff und Phosphor.

„Nie war es wichtiger, für unseren Planeten zu kämpfen. Und nie
zuvor hatten wir klarere Vorgaben zum Umweltschutz als die, die in
den UN-Nachhaltigkeitszielen formuliert und im Weltklimavertrag von
Paris beschlossen wurden. Die Fakten liegen auf dem Tisch, die
Menschheit weiß, was zur Rettung unserer Erde getan werden muss. Es
ist endlich Zeit zu handeln“, so Brandes. In einem anlässlich des
Welterschöpfungstages veröffentlichten Strategiepapier hat der WWF
daher eindeutige Forderungen und Ziele für die kommenden fünf Jahre
definiert. „Bis 2022 müssen bestimmte Hebel in die richtige Richtung
bewegt werden, damit die Erde und damit letztendlich die Menschheit
die Chance auf eine lebenswerte Zukunft nicht verspielt“, fordert
Brandes.

Deutschland muss laut dem WWF-Papier die Landwirtschaft
nachhaltiger ausrichten. Bis 2021 soll, so das WWF-Ziel, auf
mindestens 20 Prozent der deutschen Agrar-Fläche Ökolandbau betrieben
werden. Außerdem gelt es, Landwirtschaftssubventionen an
Umweltkriterien zu knüpfen. Zugleich müssten sich jedoch auch unsere
Konsumgewohnheiten verändern: „In der Bundesrepublik landet ein
Drittel aller Lebensmittel nicht auf dem Teller sondern auf dem Müll.
Diese Verschwendung können wir uns nicht leisten. Die vermeidbaren
Lebensmittelverluste müssen bis spätestens 2030 halbiert werden.“

Herausragende Bedeutung hat für den WWF zudem die konsequente
Realisierung der Energiewende und des Kohleausstiegs. „Der WWF wird
sich insbesondere nach der Bundestagswahl mit aller Kraft dafür
einsetzen, dass Deutschland den rechtlich bindenden,
sozialverträglichen und unumkehrbaren Ausstieg aus der Kohle
einleitet und bis spätestens 2035 abschließt. Ein Koalitionsvertrag,
der sich vor einem klaren Bekenntnis zu diesem Ziel drückt, ist
angesichts der deutschen Verpflichtungen im Rahmen des
Paris-Abkommens das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben ist“,
kündigte Brandes an. Auf globaler Ebene ist für den WWF-Vorstand der
Kampf gegen die Wilderei in Afrika und Asien und ein Ende des
Plastikmülls im Meer von herausragender Bedeutung. „Unser Planet
vermüllt. Das muss aufhören. Wir müssen verhindern, dass immer mehr
Plastik in den Ozeanen landet. Wir brauchen geschlossene
Recyclingkreisläufe insbesondere in Südostasien. Hier sind vor allem
die Unternehmen in der Pflicht“, so Brandes.

Hintergrund

Die Berechnungen des Global Footprint Networks zum
Welterschöpfungstag (Overshoot Day) gehen auf das Konzept des
Ökologische Fußabdrucks zurück, der ausweist, wie viel Fläche
benötigt wird, um alle Ressourcenbedürfnisse inklusive der
Energieversorgung zu gewährleisten.

Lebt die Menschheit unverändert weiter wie bisher, benötigen wir
bis zum Jahr 2030 zwei komplette Planeten, um unseren Bedarf an
Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen zu decken. Bis zum Jahr 2050
wären es knapp drei. 1961, dem Gründungsjahr des WWF, benötigte die
Menschheit hingegen nur zwei Drittel der weltweit zur Verfügung
stehenden Ressourcen. Allein die CO2-Emissionen haben sich seit 1970
mehr als verdoppelt.

Deutlich ist auch der Rückgang der Artenvielfalt. So zeigt der
Living Planet Index für die vergangenen vier Jahrzehnte einen
Rückgang der Biologischen Vielfalt um 52 Prozent. Im Durchschnitt hat
sich die Anzahl der untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien,
Amphibien und Fische damit halbiert.

Pressekontakt:
Strategiepapier zum Download: www.wwf.de/presse
Footage und Interviews auf Anfrage

WWF World Wide Fund For Nature
Roland Gramling
Telefon: 030-311 777 425
E-Mail: Roland.Gramling@wwf.de

Original-Content von: WWF World Wide Fund For Nature, übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: https://www.88energie.de/?p=1516216

Erstellt von an 1. Aug 2017. geschrieben in Umwelttechnologien. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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