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Mit dem CO2-Fußabdruck den „bösen Buben“ aufdecken





Bremen, Mai 2013. Die Erfassung des CO2-Fußabdrucks gewinnt für Unternehmen an Relevanz. Darüber waren sich die Referenten der energiekonsens-Veranstaltung „CO2-Footprint: nachhaltige Produkte – nachhaltige Produktion“ am 7. Mai einig. 14 Interessierte folgten der Einladung der Bremer Klimaschutzagentur in das Wilhelm-Wagenfeld-Haus. Die Gründe für die Bilanzierung seien vielfältig: Unternehmen berechnen ihren CO2-Fußabdruck, um zu erkennen, wo „der böse Bube“ im eigenen Betrieb steckt, aufgrund steigender Kundenanforderungen, aus Marketingzwecken oder zur Imageaufwertung. Für die Berechnung gebe es zwar Standards, aber noch keine einheitliche Regelung, um Carbon Footprints international miteinander zu vergleichen. Dennoch appellierten die Referenten an die Teilnehmer, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Wir befinden uns aktuell in einem gesellschaftlichen Transformationsprozess. Unternehmen müssen sich mit ihrem CO2-Fußabdruck beschäftigen, auch wenn es jetzt noch keine einheitlichen Regelungen zur Bilanzierung gibt. So wie sich die Thematik entwickeln muss, müssen sich auch Unternehmen entwickeln. Nur dann bleiben sie handlungsfähig“, resümierte energiekonsens-Geschäftsführer Michael Pelzl.

Mit dem Bild des „bösen Buben“ bezog sich Referentin Laura Ausberg vom Hamburger Ifu Institut für Umweltinformatik auf die Bereiche eines Unternehmens, in denen die größten Emissionen anfallen. Der Carbon Footprint zeige, an welchen Stellschrauben Betriebe drehen müssen. Produkte, Dienstleistungen, Unternehmen und Projekte verursachen klimawirksame CO2-Emissionen. Die Gesamtheit dieser Emissionen wird als Carbon Footprint bezeichnet. Am Beispiel des produktbezogenen Fußabdrucks – Product Carbon Footprint – machte die Referentin deutlich, aus welchen Daten diese Bilanz besteht. Dazu zählen alle Emissionen der Klimagase der Rohstoffgewinnung, Transporte, Verarbeitungsprozesse, Nutzphase und Entsorgung. Zudem stellte die Referentin Softwarelösungen für verschiedene Unternehmensgrößen vor, mit denen einzelne Produkte, Produktionslinien oder Maßnahmen bewertet werden können.

Andreas Noodt, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Fides, sieht CO2-Bilanzierungen und die Reduzierung der Emissionen als strategische Managementaufgabe. Unternehmen stehen hinsichtlich ihrer Rechnungslegung vor einem Wandel. Es zeige sich, dass Stakeholder ein hohes Maß an Transparenz hinsichtlich des Geschäftsmodells fordern. Kunden, Geschäftspartner, Banken und Investoren äußern Noodt zufolge vermehrtes Interesse an Nachhaltigkeitsaspekten und nehmen diese in ihre Entscheidungsprozesse auf. „Integriere Berichterstattung ist in der Bilanzwelt das Thema der nächsten Jahre. Aktuell befindet es sich noch am Anfang, nimmt aber deutlich an Fahrt auf“, betonte Noodt. Dabei handle es sich um einen ganzheitlichen Bericht, der relevante Informationen über Strategie, Unternehmensführung und den finanziellen Erfolg eines Unternehmens mit nicht-finanziellen Elementen wie dem Nachhaltigkeitsbericht verbindet.

Rolf Janssen, Geschäftsführer der Holzbau Janssen GmbH, stellte praxisnah seine eigene Erfahrung mit der Erfassung des CO2-Fußabdrucks vor. Sein Resümee: „Es gibt keinen anderen Baustoff, der eine so gute Ökobilanz hat, wie der Baum.“ Am Beispiel der Dachkonstruktion eines Supermarktes rechnete Janssen vor, dass dieser Fußabdruck – bezogen auf den Herstellungsprozess – knapp zehn Tonnen CO2-Äquivalent (klimawirksame Treibhausgase, die maßgeblich am Klimawandel beteiligt sind) beträgt. Die Bindung im Holz hingegen beträgt knapp 65 Tonnen CO2. Folglich speichert die Dachkonstruktion laut Janssen sechsmal mehr CO2, als durch deren Produktion freigesetzt wird. „Wir haben eine Negativbilanz. Das liegt an unserem Baustoff Holz“, betonte er. Nach der Nutzungsdauer könne das Holz wiederverwertet werden. Erst wenn es verbrannt wird oder verrottet, werde das zuvor gebundene CO2 der Atmosphäre wieder zugeführt. Der Geschäftsführer konnte bei seinen Zuhörern mit weiteren eindrucksvollen Zahlen punkten: „Wir verbauen 24.000 Kubikmeter Fichtenholz im Jahr – allein damit speichern wir 18.000 Tonnen CO2.“

Abschließend erläuterte Philipp Bruck vom Tara Ingenieurbüro am Beispiel kleiner Bremer und Bremerhavener Unternehmen die drei Schritte zum „klimaneutralen“ Unternehmen. Zu Beginn sei eine Bilanzierung der CO2-Emissionen nötig. Hierbei werden Emissionen aus Energieverbrauch durch die Nutzung von Strom und Wärme sowie unter anderem Mobilität, Internetnutzung und Papierverbrauch erfasst und bewertet. Im nächsten Schritt werde identifiziert, mit welchen Maßnahmen Emissionen eingespart werden können. Aus der Praxis nannte Bruck Beispiele wie die Umstellung von Leuchtstoffröhren auf LED oder den Wechsel des Energieträgers von Öl zu Gas. Am Ende blieben dennoch unvermeidbare Emissionen übrig, die es zu kompensieren gelte. Hierbei verwies er auf die CO2-Factsheets von energiekonsens, die sich unter anderem ausführlich mit dem Thema Kompensation beschäftigen. Weitere Informationen dazu finden sich unter www.energiekonsens.de/plietsch. Die Vorträge der Veranstaltung stehen unter www.energiekonsens.de/publikationen zum Download bereit.

Kurz-URL: https://www.88energie.de/?p=870121

Erstellt von an 13. Mai 2013. geschrieben in Allgemein, Sonstige. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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