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Kohle bleibt für den Transformationsprozess der Energieversorgung unverzichtbar





Die zukünftige Energiepolitik in Deutschland sollte
diskriminierungsfrei, technologieneutraler und kompatibler mit den
europäischen Vorgaben und Richtlinien sein, fordert Dietmar
Lindenberger vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität
zu Köln (EWI) in einem Beitrag für Energiewirtschaftliche Tagesfragen
(Heft 9/2017). Der Energieexperte und Hochschullehrer schreibt: „Bei
der Transformation der Energieversorgung einer hoch
industrialisierten Volkswirtschaft hin zur überwiegenden Nutzung
fluktuierender erneuerbarer Energien und erhöhten Energieeffizienz
bleibt die ausgewogene Berücksichtigung der Ziele
Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit
von zentraler Bedeutung.“ Da Energie ein „essentieller
Produktionsfaktor“ ist, sei die Versorgungssicherheit von
„elementarer Wichtigkeit“ und eine „kritischer Erfolgsfaktor der
Energiewende“. Das gilt insbesondere für den Energieträger
Elektrizität, meint Lindenberger. Die Sicherheit der
Energieversorgung werde sowohl von der ökonomischen Theorie wie auch
in der aktuellen energiepolitischen Debatte massiv vernachlässigt.
Der derzeit laufende tiefgreifende Veränderungsprozess in der
Energieversorgung verlangt, so der Kölner Wissenschaftler, dringend
nach einer Aufarbeitung dieses Theoriedefizits. Energie ist ein
mächtiger Produktionsfaktor aller industriellen Volkswirtschaften und
Energieversorgungssicherheit von kritischer Wichtigkeit für Wachstum
und Wohlstand.

Im Zuge der Energiewende ersetzt Strom aus Wind und Sonne zwar in
zunehmendem Maße Strom aus fossilen Brennstoffen, aber kaum
konventionelle Kraftwerkskapazität, die auch zukünftig wichtig und
unverzichtbar bleibt. Für den Transformationsprozess müssen für lange
Zeit zwei Stromerzeugungssysteme für eine Aufgabe bereitstehen. Durch
politische Eingriffe wie einen schnellen Ausstieg aus einer
Stromerzeugungstechnologie könne diese Entwicklung jedoch sehr
schnell zum Abbau von Versorgungssicherheit und damit zu Wachstums-
und Wohlstandsverlusten führen.

Wenn die verbliebenen Kernkraftwerke Ende 2022 vom Netz gehen,
muss die Residuallast, also die Stromnachfrage abzüglich der
fluktuierenden Erzeugung aus erneuerbaren Energien, durch andere
Energien jederzeit zuverlässig abgedeckt werden. Eine gewisse
Abdeckung können Pumpspeicherkraftwerke, Biomasseanlagen sowie eine
zeitliche Verschiebung der Stromnachfrage leisten. Praktikabilität
und Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahmen und Technologien sind aber
begrenzt, so dass die gesicherte Residuallast-Abdeckung in den
kommenden ein bis zwei Dekaden nach wie vor hauptsächlich durch einen
Mix aus Braunkohle-, Steinkohle- und Gaskraftwerken zu erfüllen sein
wird.

Ob von den Strommärkten ausreichend Anreize zur Vorhaltung der
benötigten Erzeugungskapazitäten ausgehen, ist nach Ansicht
Lindenbergers fraglich. Der Kölner Wissenschaftler rechnet mit
steigenden Redispatch-Kosten sowie der Notwendigkeit, jede
vorgesehene Stilllegung eines Kraftwerks auf „Systemrelevanz“ zu
überprüfen und gegebenenfalls außerhalb des Marktes zu vergüten und
auf gesetzlicher Basis weiter am Netz zu halten. „Wir bewegen uns
hier in Richtung eines zunehmend administrierten Stromsystems,
geraten tendenziell in Konflikt mit dem Binnenmarkt und werden diese
Art von Regulierung spätestens dann weiter entwickeln müssen, wenn
sich Stilllegungen aus Altersgründen nicht mehr vermeiden lassen und
Kraftwerksneu¬investitionen nötig sind. Derzeit entfallen von den
installierten konventionellen Erzeugungskapazitäten knapp zwei
Drittel auf Kohlenkraftwerke, das sichert rund 50 Gigawatt Leistung.
Angesichts einer Spitzenlast in Deutschland von rund 80 Gigawatt
bilden Kohlekraftwerke damit einen wichtigen Sockel an
Versorgungssicherheit.

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive verdient, so Lindenberger,
die Braunkohle besonderes Augenmerk als der einzige heimische
Energieträger, der langfristig sicher und wirtschaftlich
bereitgestellt werden kann. Der wirtschaftliche Vorteil der
Braunkohle ist unabhängig von geopolitischen Unsicherheiten und der
Variabilität der Energieweltmärkte, wovon der Industriestandort
profitiert. Auch ist die Braunkohle von hoher
regionalwirtschaftlicher Bedeutung. Zugleich passt sie sich den
Erfordernissen der Energietransformation an. Die Braunkohlenförderung
vermindert sich infolge der gesetzlich fixierten
Sicherheitsbereitschaft, der Auskohlung mehrerer Tagebaue sowie des
bis 2030 absehbaren Ausscheidens älterer Kraftwerke, mit entsprechend
rückläufigen CO2-Emissionen. Der wirtschaftliche Vorteil der
Braunkohle resultiert aus vergleichsweise geringen variablen Kosten
und hat einen Strompreis entlastenden Effekt. Die neueren
Braunkohleblöcke bleiben daher im europäischen Markt absehbar
wettbewerbsfähig und können ihren Beitrag zur
Stromversorgungssicherheit weiterhin zuverlässig leisten.

Die Langfassung dieser Nachricht ist unter
http://bit.ly/et_lindenberger downloadbar

Pressekontakt:
Franz Lamprecht
Chefredakteur
et Energiewirtschaftliche Tagesfragen
EW Medien und Kongresse GmbH
Montebruchstraße 20
45219 Essen
T: 02054/95 32 51
F: 02054 95 32 60

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www.et-energie-online.de

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Erstellt von an 7. Sep 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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