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Energiemarkt 2.0: Wie man mit Netzintelligenz die Öko-Wende schafft





Essen/Stuttgart – Ob Kohle, Öl oder Atomkraft: Die Energie kommt bisher aus riesigen
Kraftwerken. Die Endverbraucher zapfen brav – und überlegen höchstens, ob sie ihren
Anbieter wechseln sollen. Doch auch der Energiemarkt steht vor einem radikalen Umbruch.
Mit Erneuerbaren Energien verändern sich nicht bloß die Stromquellen, sondern auch die
Art der Produktion: Jeder Kunde verwandelt sich in einen Kleinst-Stromanbieter und
optimiert gleichzeitig seinen eigenen Verbrauch. Die Folge: Die Netzinfrastruktur wird sich
ebenso verändern wie die Gerätelandschaft in den Haushalten.


Dieser Trend ist auf der Fachmesse Energy-World in Essen http://www.e-world-2011.com/
zu erkennen – auch wenn die Zukunft noch in schwer verdaulichen Begriffen wie „Smart
Grid“ und „Smart Meter“ steckt. „Es geht darum, wie wir eine saubere, zukunftsfähige
Energieversorgung hinkriegen“, sagt Martina Dietschmann vom Netzwerkspezialisten Nash
Technologies http://www.nashtech.com/.



Jeder Kunde hat seinen Energieverbrauch selbst in der Hand

Smart Meter sind –
vereinfacht gesagt – intelligente Stromzähler. Sie zeigen jederzeit an, wo im Haus wie viel
Wärme und Wasser verbraucht wird. Jeder kann seine Geräte auf Herz und Nieren
überprüfen – im Idealfall mit seinem Smartphone, auf dem der Stromverbrauch erfasst und
analysiert wird. Eine weitere Vision: „Intelligente“ Waschmaschinen greifen nur dann auf
Strom zu, wenn sie auf Öko-Energie zurückgreifen können. Das eigene Haus wird – auf
eigenen Wunsch – vollständig „grün“; Umweltbewusstsein und Geldsparen gehen Hand in
Hand. Durch solch neue Transparenz wird zwangsläufig der Druck auf die Hersteller
steigen, Geräte mit noch geringerem Energieverbrauch zu entwickeln.



Gleichzeitig muss die Infrastruktur des Stromnetzes angepasst werden, so die Sicht vieler
Experten. Durch Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und anderen regenerativen
Energien speisen Millionen Privathaushalte Energie ein und läuten damit das Ende der
großen Anbieter ein. Gleichzeitig ist das Ende von Kohle und Atomkraft schon eingeläutet.
Auch verlängerte Laufzeiten machen Atomkraft nicht mehr zum Zukunftsmarkt, sondern
sorgen eher für ein quälendes Ende.



„Durch die Erneuerbaren Energien wird sich die Einspeisung auf Millionen Schultern
verteilen und nicht mehr auf wenige Anbieter. Dafür müssen die Netze angepasst und
intelligent gesteuert werden. Darum geht es bei Smart Grid“, sagt Bernd Stahl, ebenfalls
vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies. Dazu gehören auch dezentrale
Pufferspeicher, etwa für Zeiten, in denen etwa nicht die Sonne scheint oder es zu
Ausfällen komme.



Unternehmen mit Visionen


Dass Unternehmen wie Nash Tech, die eigentlich auf dem Markt für Telekommunikation
unterwegs sind, auch auf das Energiethema setzen, ist kein Zufall. Denn der
Netzwerkspezialist, der unter anderem Telefonnetze testet, hat in seinem hauseigenen
Markt die dynamische Entwicklung seit der Deregulierung miterlebt Eine Entwicklung, die
der zementierte Energiemarkt noch vor sich hat. Auch die Messlatten sind ähnlich: Das
Stromnetz und seine de-zentrale Steuerung sollen eine Ausfallsicherheit von höchstens
einer halben Stunde pro Jahr haben, vergleichbar mit dem, was das jetzige Telefonnetz
biete, so Stahl. Zudem bekommen die stromfressenden Endgeräte in Unternehmen und
privaten Haushalten dann Öko-Intelligenz, wenn sie über das Internet mit den
Stromerzeugern und Netzbetreibern gekoppelt werden.



Doch der Weg zum Ziel ist noch lang: Neben Standardisierungsproblemen gebe es auch
kaum Unternehmen auf dem Markt mit klaren Visionen, sagt Expertin Dietschmann. Dass
Internetkonzerne wie Google mit Yellow Strom kooperieren, zeigt, wohin die Reise gehen
kann. In der Internetbranche hat es praktisch Tradition, ständig neue Geschäftsfelder zu
erschließen. Mit dem Google Powermeter können Hauseigentümer mit einem Programm
den Stromverbrauch von jedem PC der Welt ablesen. „Es werden sich die Modelle
durchsetzen, die das Leben einfacher, eleganter und effektiver machen – und hinter
denen ein Geschäftsmodell steckt“, sagt Stahl.

Siehe auch:
NeueNachricht-Podcast „Intelligentes Netz für die Energiewende –
Experteninterview“: Besitzen Sie schon eine schlaue Waschmaschine oder einen
interaktiven Geschirrspüler, der selbständig grüne Energie erkennt und nur dann seine
Arbeit verrichtet, wenn er Ökostrom anzapfen kann? Bilden Sie mit Ihrem Stromversorger
ein Netzwerk, um den Energieverbrauch zu senken? Können Sie mit Ihrem Handy den
Stromzähler ablesen? Nein. Dann sollten Sie sich mit den Themen der Essener
Fachmesse Energy World beschäftigen. Sie werden Begriffe wie „Smart Energy“, „Smart
Grid“, „Smart Meter“ hören und sich wundern, was das Ganze mit dem Internet, mit
Smartphone-Apps und Google zu tun hat. Im Telefoninterview erläutern Martina
Dietschmann und Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Tech, was wir von der
Energy World in Essen zu erwarten haben und warum eine Energiewende nur im
Zusammenspiel von Energieerzeugern, Netzbetreibern, Geräteherstellern und
Verbrauchern gelingen kann.

Kurz-URL: https://www.88energie.de/?p=347024

Erstellt von an 11. Feb 2011. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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