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Risikopotenzial der intelligenten Stromnetze wird unterschätzt / TÜV SÜD-Studie „Security&Safety in einer smarten Energiewelt“





Die Energiewirtschaft und das produzierende
Gewerbe unterschätzen das Risikopotenzial, das in der Modernisierung
der Stromnetze steckt. Das Bewusstsein für die Angreifbarkeit von
intelligenten Netzen ist kaum vorhanden und Schutzmaßnahmen sind
Mangelware. Das sind Ergebnisse der Studie „Security & Safety in
einer smarten Energiewelt“, die TÜV SÜD zum Auftakt der Hannover
Messe 2013 vorstellt (Halle 13, Stand C48). Für die Studie wurden
Entscheidungsträger bei großen Energieversorgern, Stadtwerken und
Fertigungsbetrieben befragt.

Die Energiewende führt zu einem Umbau der Stromversorgung in
Deutschland und in Europa. Neben dem weiteren Ausbau der erneuerbaren
Energien und dem Bau von „Stromautobahnen“ werden die Mittel- und
Niederspannungsnetze mit Intelligenz ausgestattet, um einen optimalen
Abgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch zu erreichen und die
Netzstabilität zu gewährleisten. Dafür ist es nötig, dass die
einzelnen Netzteilnehmer und die Netzbetreiber die nötigen
Informationen austauschen und dass dieser Austausch sowie die
Regelung des Netzes einen hohen Automatisierungsgrad aufweist.

„Die vermehrte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien und
der Umbau der Stromnetze zu Smart Grids sind Herausforderungen für
die Versorgungssicherheit und die Netzstabilität“, sagt Dr. Kai
Strübbe, Leiter des Bereichs Embedded Systems der TÜV SÜD AG. Viele
moderne Produktionsanlagen würden aufgrund zeitkritischer Prozesse
empfindlich auf Netzschwankungen oder Stromausfälle reagieren, so
Strübbe. Zudem wachse durch Smart Grids die Bedrohung durch
Schadsoftware und Hacker-Attacken, von denen sowohl
Produktionsanlagen, als auch die gesamte Versorgungsinfrastruktur
betroffen sein könnten.

Mit der Studie „Security & Safety in einer smarten Energiewelt“
beleuchtet TÜV SÜD die Situation in der Energiewirtschaft und im
produzierenden Gewerbe. Im Auftrag von TÜV SÜD hat der
Marktforschungsspezialist Technomar GmbH insgesamt 255
Geschäftsführer und andere Entscheidungsträger von Energieversorgern,
Stadtwerken und mittelständischen Fertigungsbetrieben befragt. Eines
der wichtigsten Ergebnisse: Bei Sicherheitsfragen gibt es noch
erheblichen Nachholbedarf.

Von überragender Bedeutung für alle Befragten ist die Qualität der
Stromversorgung: 89 Prozent der großen Energieversorger, 99 Prozent
der Stadtwerke und 95 Prozent der Fertigungsbetriebe messen ihr einen
„hohen Stellenwert“ bei. Die größten unternehmerischen Schäden in
allen drei Marktsegmenten werden in der Regel nicht durch
Stromausfälle verursacht, sondern durch Schwankungen in der
Netzfrequenz und in der Netzspannung. Am problematischsten sind
solche Störungen für die Produktion, die IT und andere kritische
Verbraucher wie Prozesssteuerungen oder Geräte zur medizinischen
Versorgung.

Die meisten Unternehmen gehen davon aus, dass die Energiewende
einen mittleren bis großen Einfluss auf die Qualität der
Stromversorgung haben wird. Diese Erwartung teilen 85 Prozent der
Befragten bei den großen Energieversorgern, 91 Prozent bei den
Stadtwerken und 80 Prozent im produzierenden Gewerbe. Dennoch ist die
Hälfte der Entscheidungsträger in allen drei Marktsegmenten davon
überzeugt, dass die Versorgungsqualität durch die Energiewende nicht
beeinträchtigt wird. Ein nicht unerheblicher Teil der Befragten –
zwischen 20 Prozent bei den Stadtwerken und 28 Prozent im
produzierenden Gewerbe – geht sogar davon aus, dass die Zahl von
Netzschwankungen und Stromausfällen in Zukunft zurückgehen wird.

Auch die Einführung von intelligenten Netzen wird nach
Einschätzung der meisten Befragten zu keinen merklichen
Beeinträchtigungen der Versorgungsqualität führen. Besonders stark
ausgeprägt ist diese Meinung mit 50 Prozent in den
Fertigungsbetrieben, was vom großen Vertrauen in die Energieversorger
und Netzbetreiber zeugt. „Auffallend bei dieser Frage ist, dass ein
Viertel der Entscheidungsträger keine Meinung dazu hat“, merkt Dr.
Kai Strübbe an. „Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Thematik
der Smart Grids noch nicht überall angekommen ist beziehungsweise
noch nicht in ausreichendem Umfang reflektiert wurde.“

Fehlender Schutz gegen Störungen und Angriffe

Das Vertrauen in die Versorgungsqualität hat zur Folge, dass im
produzierenden Gewerbe nur die Hälfte der befragten Unternehmen
ausreichend gegen Störungen bei der Stromversorgung geschützt ist. 32
Prozent bewerten ihre Situation als „sicher“ und 17 Prozent als „sehr
sicher“. Dieser Selbsteinschätzung entspricht auch die Tatsache, dass
mehr als die Hälfte der Fertigungsbetriebe im Fall von Netzstörungen
über keinerlei technische oder organisatorische Gegenmaßnahmen
verfügt. Mehr für die Sicherheit will auch in Zukunft nur eine
Minderheit der befragten Unternehmen tun: 28 Prozent bei den
Energieversorgern, 45 Prozent bei den Stadtwerken und 22 Prozent im
produzierenden Gewerbe.

Wenig überzeugend ist zudem der Schutz vor Schadsoftware oder
Hacker-Angriffen. Nur 48 Prozent der Befragten im produzierenden
Gewerbe sind davon überzeugt, in dieser Hinsicht „sicher“ oder „sehr
sicher“ zu sein. Bei den großen Energieversorgern halten sich
immerhin 57 Prozent der Befragten für gut gewappnet gegen solche
Attacken, und bei den Stadtwerken sind es 54 Prozent. In dieses Bild
passen auch die Aussagen, dass 62 Prozent der Energieversorger über
keine Gesamtverantwortlichen für die IT Security verfügen. Auch bei
33 Prozent der Stadtwerke und bei 42 Prozent der Fertigungsbetriebe
gibt es keinen solche Verantwortlichen.

Sensibilisierung für Sicherheitsaspekte muss verbessert werden

„Vor allem die Aussagen zur IT Security sehen wir mit großer
Sorge“ erklärt Dr. Kai Strübbe. „Denn durch die zunehmende
Ausstattung der Stromnetze mit Intelligenz und die
Kommunikationsfähigkeit von Smart Grids erhöht sich auch das Risiko
für feindliche Angriffe.“ Durch solche Attacken können nach Aussage
des TÜV SÜD-Experten nicht nur Daten von Unternehmen und Verbrauchern
ausspioniert, sondern auch gesamte Versorgungsinfrastrukturen
lahmgelegt werden. Insgesamt zeigten die Ergebnisse der Studie
„Safety & Security in der smarten Energiewelt“, dass die
Marktteilnehmer über den Umbau der Stromnetze zu Smart Grids und die
möglichen Folgen noch nicht ausreichend informiert sind. Dr. Strübbe:
„Wir sehen einen eklatanten Widerspruch zwischen der hohen Bedeutung,
den die Stromqualität für alle Befragten hat, und den fehlenden
Vorkehrungen, um sich gegen mögliche Störungen abzusichern.“

Dabei stellt die Um- und Aufrüstung der Netze zu Smart Grids ganz
neue Anforderungen an alle Marktteilnehmer – Energieversorger,
Energieverbraucher und Netzbetreiber. „In intelligenten Stromnetzen
wird der Bereich der IT Security, der Schutz vor feindlichen
Angriffen immer wichtiger“, betont der TÜV SÜD-Mann. Nur durch eine
ganzheitliche Herangehensweise und durch die Verbindung von
funktionaler Sicherheit und IT Security, von Safety und Security
könne die hohe Versorgungsqualität in Deutschland auch in Zukunft
garantiert werden.

Studie „Security & Safety in einer smarten Energiewelt“

Für die Studie „Security & Safety in einer smarten Energiewelt“
hat der Marktforschungsspezialist Technomar GmbH im Januar und
Februar 2013 insgesamt 255 Geschäftsführer und andere
Entscheidungs¬träger bei großen Energieversorgern, Stadtwerken und
Fertigungsbetrieben in ganz Deutschland befragt. Bei den
Energieversorgern gab es eine ausgewogene Verteilung zwischen
kleineren und großen Versorgern, bei Stadtwerken wurden mit 60
Prozent deutlich mehr kleine und mittlere Betriebe befragt. Im
produzierenden Gewerbe konzentrierte sich die Studie auf kleine und
mittlere Firmen, das Spektrum der Branchen reichte vom Maschinenbau
bis zu Nahrungs- und Genussmitteln und von Autoherstellern bis zu
ITK/Elektro/Elektronik.

Embedded Systems und Smart Grids bei TÜV SÜD

TÜV SÜD hat vor zwei Jahren den Bereich Embedded Systems
gegründet, um Leistungen für die Sicherheit und Zuverlässigkeit von
eingebetteten und vernetzten Systemen in der Industriefertigung und
in der Energieversorgung zu entwickeln. Mit ihren Leistungen
begleiten und unterstützen die Experten sowohl die Weiterentwicklung
der industriellen Automation zur Industrie 4.0 als auch die
Entwicklung von Smart Grids, Smart Buildings und Smart Metering – den
Elementen der smarten Energiewelt von morgen.

Die Experten vom Bereich Embedded Systems der TÜV SÜD AG sind auf
der Hannover Messe auf der Leitmesse Energy (Halle 13, Stand C48) zu
finden. Das Thema „Security & Safety in der smarten Energiewelt“ ist
auch Thema von Dr. Kai Strübbe beim Erneuerbare Energien-Forum am 9.
April 2013 von 11:20 bis 11:40 Uhr (Halle 27, Stand N71).

Weitere Informationen zu den Leistungen von TÜV SÜD im Bereich
Embedded Systems gibt es im Internet unter
www.tuev-sued.de/smartgrid.

Hinweise für Redaktionen: Die Bilder können heruntergeladen werden
unter www.tuev-sued.de/pressefotos in der Rubrik „Aktuelles &
Veranstaltungen“. Die Powerpoint-Präsentation mit den Ergebnissen der
Umfrage kann heruntergeladen werden unter
www.tuev-sued.de/presse/umfragen-studien.

Pressekontakt:
Dr. Thomas Oberst
TÜV SÜD AG
Unternehmenskommunikation
Westendstr. 199
80686 München
Tel.:+49 (0) 89 / 57 91 – 23 72
Fax: +49 (0) 89 / 57 91 – 22 69
E-Mail: thomas.oberst@tuev-sued.de
Internet: www.tuev-sued.de

Kurz-URL: http://www.88energie.de/?p=848356

Erstellt von an 8. Apr 2013. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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