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Deutsche Umwelthilfe und Transport& Environment starten Kampagne für korrekte Spritverbrauchsangaben





EU-Kommission fördert Projekt zur Durchsetzung des
Rechts von Autokäufern auf ehrliche Verbrauchsangaben – Autokonzerne
melden Zulassungsbehörden immer unrealistischere –Normverbräuche– und
verhindern bisher erfolgreich behördliche Nachmessungen und
Korrekturen – Daimler-Fahrzeuge der Marke Mercedes sind negativer
Spitzenreiter mit 54 Prozent Abweichung – DUH und T&E fordern
behördliche Kontrollen und drastische Strafen für nachgewiesene
Falschangaben – DUH rechnet mit 2,6 Milliarden Euro
Steuermindereinnahmen allein in 2017 durch falsche
Spritverbrauchsangaben

Autokäufer sollen sich zukünftig wieder darauf verlassen können,
dass die offiziell ausgewiesenen Verbrauchsdaten auch der Realität
entsprechen. Dazu startet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gemeinsam
mit dem europäischen Dachverband Transport & Environment (T&E) die
Verbraucherschutzkampagne „Get Real – Für ehrliche Spritangaben“
(http://www.get-real.org/my-front-page-de/). Im Rahmen der Kampagne
sollen rechtswidrige Praktiken wie die Erkennung von Prüfständen,
Abschalteinrichtungen oder Testfahrzeuge, die wesentlich von den
Serienmodellen abweichen, öffentlich gemacht und gerichtlich verfolgt
werden. Gleichzeitig sollen Behörden und politische
Entscheidungsträger dazu gebracht werden, die bestehenden
Zulassungsvorschriften anzuwenden und behördliche Nachprüfungen
durchzuführen sowie festgestellte Abweichungen zu veröffentlichen und
bei betrügerischen Praktiken Sanktionen zu verhängen, die „wirksam,
verhältnismäßig und abschreckend“ sind (VO (EG) 715/2007).

Die EU-Kommission sendet mit der Förderung des Projektes für
korrekte Spritverbrauchsangaben ein klares Signal an die
Autokonzerne, deren unehrliche Angaben nicht länger zu akzeptieren.
Während die Abweichung der so genannten Normverbräuche vor 15 Jahren
bei durchschnittlich ca. sieben Prozent lag, ist der Mehrverbrauch im
vergangenen Jahr auf durchschnittlich 42 Prozent angewachsen, ohne
dass sich die Testmethoden in dieser Zeit verändert haben. Geschädigt
wird der Klimaschutz durch in der Realität nicht sinkende, sondern
bestenfalls gleichbleibende CO2-Emissionen. Ebenso der
Bundesfinanzminister, der allein in 2017 ca. 2,6 Milliarden Euro
Steuermindereinnahmen zu verzeichnen haben wird. Leidtragende sind
schließlich auch die Autokäufer, die immer höhere Mehrkosten für den
Kraftstoff zu zahlen haben als beim Autokauf angenommen.

„In den USA kontrolliert die Umweltbehörde EPA auf Hinweis von
Verbraucherverbänden die Spritverbrauchsangaben der Autobauer und
verhängt dreistellige Millionenstrafen bei Abweichungen.
Amerikanische Autokäufer können den Normangaben trauen, diese weichen
nur 3 bis 4 Prozent vom Realverbrauch ab. In Deutschland ignorieren
Verkehrsministerium und Kraftfahrt-Bundesamt seit acht Jahren
geltendes EU-Recht und verweigern behördliche Nachmessungen,
Korrekturen von Falschangaben und Bestrafung bei Betrug“, sagt Jürgen
Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

„Wir werden im Rahmen unseres EU-geförderten Projektes präzise
Nachmessungen der –Ausrollwerte– mit Serienfahrzeugen durchführen und
der DUH zugespielte Hinweise über eingesetzte Betrugssoftware wie der
Prüfstandskennung durch Lenkwinkelerkennung testen“, kündigt Resch
an. Für behördliche Nachmessungen fordert die DUH eine neutrale
Prüfstelle, idealerweise angesiedelt beim Umweltbundesamt. Wie in den
USA sollten Serienfahrzeuge nach dem Zufallsprinzip und nach
Hinweisen von Autohaltern oder Verbraucherschutzverbänden nachgeprüft
werden. Bei Abweichungen ab drei Prozent muss zukünftig eine
Korrektur der amtlichen Verbrauchswerte erfolgen.

Die DUH und T&E fordern die Benennung einer für falsche
Spritverbrauchsangaben zuständigen Behörde, die den Verbrauchern auch
bei der Durchsetzung ihrer Rechte gegenüber den Autokonzernen hilft.
In Deutschland kann nach einem Grundsatzentscheid des
Bundesgerichtshofes jeder Autohalter mit nachweislich erhöhtem
Spritverbrauch von über 10 Prozent die Rückabwicklung des Kaufs und
Schadenersatz einfordern. In der Realität müssen sich die betroffenen
Autohalter bislang auf einen mehrjährigen Rechtsstreit mit
spezialisierten Konzernanwälten und hohen Gutachterkosten einstellen,
ohne dass sie eine Unterstützung durch die Behörden erhalten.

Die unrealistischen Verbrauchsangaben der Hersteller führen bei
Autofahrern zu deutlich mehr Spritkosten. Nach Angaben der
Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation
(ICCT) sind die Kosten pro Jahr für einen durchschnittlichen
Autofahrer inzwischen etwa 450 Euro höher, als die Herstellerangaben
es vermuten lassen.

Greg Archer, Geschäftsführer bei T&E führt an: „With cars that
burn over 40% more fuel than advertised, carmakers are deceiving
consumers and cheating environmental rules. New tests are not enough.
They also need to be conducted by independent agencies in independent
laboratories and approved by regulators who don–t turn a blind eye
when carmakers bend the rules.“

T&E hat im Dezember 2016 aktuelle Zahlen zu Spritverbrauch und
CO2-Emissionen von Neuwagen vorgestellt. Die Analyse der 2015 in
Europa verkauften Flotte zeigt, dass die Falschangaben der Autobauer
im Durchschnitt aller Hersteller auf 42 Prozent angewachsen sind.
Neufahrzeuge von Daimler der Marke Mercedes liegen sogar bei 54
Prozent. Damit ist der schwäbische Autobauer das Schlusslicht aller
Hersteller.

Seit 2013 veröffentlicht T&E jährlich einen Bericht, der die
Diskrepanz zwischen offiziellen Verbrauchsangaben und den realen
Werten der Pkw im Fahrbetrieb untersucht. Die Lücke zwischen den
Herstellerangaben und dem realen Verbrauch wächst nicht nur immer
weiter, sie wächst auch immer schneller, so lautet ein Fazit des
Berichts.

Die Kampagne „Get Real – Für ehrliche Spritangaben!“ wird im
Rahmen des LIFE-Programms der EU-Kommission gefördert und läuft bis
Anfang 2020.

Links:
Auf unserer Kampagnenwebseite finden Sie weitere Informationen sowie
den T&E-Bericht von Dezember 2016
http://www.get-real.org/my-front-page-de/

Informationen zum Thema Spritverbrauch:
http://www.duh.de/projekte/mehrverbrauch/

Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer DUH
0171 3649170, resch@duh.de

Dorothee Saar, Bereichsleiterin Verkehr & Luftreinhaltung DUH
030 240086772, saar@duh.de

Eva Lauer, Projektmanagerin Get Real DUH
030 2400867-76, lauer@duh.de

Nico Muzi, Communications Director T&E
0032 484 27 87 91, nico.muzi@transportenvironment.org

DUH-Pressestelle:
Andrea Kuper, Ann-Kathrin Marggraf
030 2400867-20, presse@duh.de, www.duh.de
www.twitter.com/umwelthilfe, www.facebook.com/umwelthilfe

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell

Kurz-URL: http://www.88energie.de/?p=1451576

Erstellt von an 2. Feb 2017. geschrieben in Allgemein. Sie können allen Kommentaren zu diesem Artikel folgen unter RSS 2.0. Sie können einen Kommentar schreiben oder einen trackback setzen zu diesem Artikel

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